Vom St. Galler Rheintal über Surenenpass, Grosse Scheidegg und Col du Pillon bis zum Genfersee – ein Westalpencross für erfahrene Tourenfahrer
Dieser Westalpencross an den Genfersee verbindet zwei Welten, die du selten an einem Stück erlebst: das flache St. Galler Rheintal an der Grenze zu Österreich und das milde Ufer des Genfersees. Dazwischen liegen acht Tage, an denen du die Schweiz von Ost nach West durchquerst. Du nimmst nicht den schnellsten Weg, sondern fährst quer über die Bergketten. Schon am ersten Tag geht es über den Risipass und an der Vorder Höhi vorbei nach Amden. Am nächsten Morgen startest du am Walensee, kommst am Klöntalersee vorbei und nähert dich über den Längeneggpass und den Pragelpass dem Muotatal. Danach führt die Route am Vierwaldstättersee vorbei ins Urnerland, über den Surenenpass und den Jochpass zum Engstlensee und weiter über die Grosse Scheidegg nach Grindelwald. Später folgen Bachalpsee, Kleine Scheidegg, Thunersee, Hahnenmoospass und zum Schluss der Col du Pillon. Jeden Abend schläfst du in einem anderen Tal. So verstehst du nach dieser Woche, wie die Landschaften der Schweiz zusammenhängen. Genau das macht für mich den Wert dieser Route aus.
Wichtig für deine Erwartungen ist der Charakter der Wege. Das hier ist kein reiner Trailurlaub. Ein spürbarer Teil der Strecke läuft über Asphalt, Nebenstraßen und Feld- oder Waldwege. Das ist kein Fehler im Konzept, sondern der Preis für eine durchgehende Linie quer durchs Land. Ein Pass mit klangvollem Namen heißt deshalb nicht automatisch, dass dich dort ein schmaler Singletrail erwartet. Technisch beschreibt die Gesamtnote S2 die Tour gut. Auf dem Weg von Amden ins Muotatal, am Tag über den Surenenpass nach Innertkirchen und auf der Etappe ab Grindelwald warten aber kurze Abschnitte im Bereich S3. Konditionell ist die Woche fordernd: Im Schnitt kommen pro Tag mehr als 2.000 Höhenmeter zusammen. Der härteste Tag für die Beine ist die Etappe von Muotathal nach Attinghausen. Dort folgen zwei lange, steile Anstiege aufeinander, getrennt von einer großen Abfahrt. Der Aufstieg zum Surenenpass ist dagegen kurz, aber brutal steil. Technik und Kraft fordern dich also an unterschiedlichen Tagen, und darauf solltest du dich einstellen.
Damit ist klar, für wen dieser Westalpencross an den Genfersee passt. Du solltest schon mehrtägige Alpenüberquerungen gefahren sein und wissen, wie sich dein Körper am vierten oder fünften Tag in Folge anfühlt. Auf S2 solltest du dich sicher bewegen, also auf Wurzeln, Stufen und losem Untergrund entspannt bleiben. Kurze S3-Stellen darfst du jederzeit schieben. Das ist keine Schande und mit Gepäck oft die klügere Wahl. Rechne außerdem mit einzelnen Rampen, die so steil sind, dass auch starke Fahrer absteigen und das Bike tragen oder schieben. Der höchste Punkt liegt bei gut 2.300 Metern, nahe dem Bachalpsee oberhalb von Grindelwald. Auch der Surenenpass reicht fast so hoch. Dort oben kann das Wetter schnell umschlagen, selbst wenn es im Tal sommerlich warm ist. Für Einsteiger ist diese Route zu lang und zu hart. Für erfahrene Tourenfahrer, die eine echte Reise statt einer Runde suchen, ist sie dagegen eine starke Wahl. Am Ende hast du am Genfersee nicht nur viele Höhenmeter gesammelt, sondern ein ganzes Land einmal von Rand zu Rand gesehen.
Alle Informationen zum Westalpencross an den Genfersee


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Etappen-Details Westalpencross an den Genfersee
01
Diepoldsau → Amden
Vom Rheintal hinauf nach Amden, langer Einrolltag hoch über dem Walensee.
67,0 km
↑ 2.399 hm · ↓ 1.525 tm
ø 5,4 % · Fahrtechnik S1
02
Amden → Muotathal
Technisch schwierigster Tag: ruppige S3-Stücke in den Abfahrten bis ins Muotatal.
54,7 km
↑ 1.950 hm · ↓ 2.571 tm
ø 6,6 % · Fahrtechnik S3
03
Muotathal → Attinghausen
Härtester Konditionstag: zwei lange, steile Anstiege, dazwischen eine große Abfahrt.
45,5 km
↑ 2.960 hm · ↓ 1.800 tm
ø 9,5 % · Fahrtechnik S0
04
Attinghausen → Innertkirchen
Kurz, aber steil: harte Rampe zum Tageshoch, dann lange Abfahrt Richtung Haslital.
32,2 km
↑ 1.718 hm · ↓ 1.701 tm
ø 13,4 % · Fahrtechnik S2
05
Innertkirchen → Grindelwald
Früh hoch hinaus, dann lange Abfahrt und ein zäher Anstieg nach Grindelwald.
54,9 km
↑ 2.663 hm · ↓ 2.336 tm
ø 7,7 % · Fahrtechnik S2
06
Grindelwald → Leissigen
Abfahrtstag mit den meisten S2-Metern, vom Hochgebirge hinunter an den Thunersee.
55,0 km
↑ 1.516 hm · ↓ 3.111 tm
ø 7 % · Fahrtechnik S2
07
Leissigen → Lenk
Ruhiger Verbindungstag ins Simmental, Finale mit flotter, steiler Abfahrt nach Lenk.
52,6 km
↑ 1.932 hm · ↓ 1.410 tm
ø 6 % · Fahrtechnik S2
08
Lenk → Montreux
Längster Tag: über die letzte Höhe und lange hinunter an den Genfersee.
71,6 km
↑ 2.228 hm · ↓ 2.949 tm
ø 7,4 % · Fahrtechnik S1
Bilder




Beste Reisezeit
Mein Tipp für den Westalpencross an den Genfersee ist die Zeit von Mitte Juli bis Ende September. Der Westalpencross führt an mehreren Tagen über 2.000 Meter, am höchsten Punkt auf rund 2.300 Meter. In diesen Lagen sind die Wege im Hochsommer und Spätsommer am ehesten gut fahrbar, während die Täler zwischen Rheintal und Genfersee schon ab dem Frühsommer grün sind.
Ein früher Termin Ende Juni ist möglich, aber riskanter. In schattigen Hängen und auf den höchsten Abschnitten können dann noch Schneefelder liegen, und manche Wege sind nach der Schneeschmelze nass und rutschig. Im Juli und August musst du dafür mit Wärmegewittern rechnen. Starte deshalb früh, damit du die hohen Passagen am Mittag hinter dir hast. Ein später Termin Ende September bringt oft klare Luft und ruhigere Wege, aber kürzere Tage und kalte Morgen. Bei acht langen Etappen fehlt dir dann schnell das Tageslicht als Puffer.
Wenn du flexibel bist, ist der September für mich die schönste Wahl. Prüfe vor der Abreise trotzdem die aktuellen Bedingungen, also Schneelage, Wetterbericht und mögliche Wegsperrungen in den einzelnen Regionen.
Tipps für deine Ankunft
Wenn du nach acht Tagen in Montreux am Genfersee ausrollst, ist der Kontrast groß. Eben noch Kuhglocken und Schotter, jetzt Palmen, Uferpromenade und der Blick über den Genfersee zu den französischen Bergen. Mein erster Programmpunkt ist simpel: Bike abstellen, an den Quai, Schuhe aus und die Füße ins Wasser. Danach brauchst du etwas Kühles. An der Promenade findest du Kioske und Cafés mit Glace, und genau das hast du dir nach dem letzten langen Abfahrtstag verdient. Die Bronzestatue von Freddie Mercury am Ufer ist für viele das obligatorische Zielfoto. Kitschig, ja, aber nach dem Westalpencross an den Genfersee passt ein bisschen Pathos durchaus.
Zum Aperitif gehört in dieser Gegend ein Glas Chasselas. Die Rebsorte wächst direkt nebenan im Lavaux, dessen Terrassen du auf der Anreise oder am Ruhetag sehen kannst. Leicht, frisch und genau richtig zum Anstoßen auf die geschaffte Woche. Zum Abendessen würde ich klassisch bleiben: Eglifilets aus dem See sind am Genfersee eine Spezialität, und wer nach der Woche immer noch Hunger auf Käse hat, bestellt ein Fondue moitié-moitié. Für Kohlenhydrat-Nachschub ohne Zeremonie reicht auch ein Teller Pasta und viel Wasser. Plane lieber etwas mehr Zeit ein, denn am Abend ist an der Promenade viel los.
Hast du noch einen Tag übrig, lohnt sich der kurze Weg am Ufer entlang zum Schloss Chillon. Die Burg steht direkt im Wasser und ist das bekannteste Fotomotiv der Region. Du kannst lässig auf dem Bike hinrollen, die Beine danken dir für jede flache Pedalumdrehung. Wer lieber nach oben schaut, sieht über Montreux den Rochers-de-Naye. Hinauffahren musst du nach dieser Woche nicht mehr, von unten reicht als Erinnerung daran, wie viele solcher Kämme hinter dir liegen.
Westalpencross Genfersee – Mein Fazit
Der Westalpencross an den Genfersee ist für erfahrene Tourenfahrer gemacht, die eine echte Reise suchen und keine Trailjagd. Mich überzeugt vor allem die Linie. Du fährst nicht im Kreis um einen Stützpunkt, sondern verbindest das Rheintal mit dem Genfersee, und jeder Tag hat ein klares Ziel in einem neuen Tal. Dazu kommt, dass die Anforderungen sinnvoll verteilt sind. Die schwierigste Technik mit kurzen S3-Stücken triffst du schon am zweiten Tag zwischen Amden und Muotathal. Der härteste Tag für die Beine folgt direkt danach mit fast 3.000 Höhenmetern auf nur rund fünfundvierzig Kilometern. Die größte Höhe erreichst du dagegen erst im Berner Oberland. So weißt du früh, ob Technik und Kondition reichen.
Der Haken ist ehrlich gesagt der Anteil an Asphalt und Nebenstraßen. Gerade am Rand der Etappen und auf den Verbindungsstücken, etwa am Tag vom Thunersee nach Lenk, rollst du viel auf Teer. Wer jeden Tag möglichst viel Pfad unter den Reifen will, wird das als Füllmaterial empfinden. Dazu kommen einzelne Rampen, die mit bis zu 40 % schlicht nicht fahrbar sind. Am Tag von Attinghausen nach Innertkirchen schiebst du deshalb zu Beginn mit hoher Wahrscheinlichkeit. Mit Gepäck auf dem Rücken ist das zäh und kostet Kraft, die du später brauchst.
Mein Gesamturteil fällt trotzdem klar positiv aus. Mit rund siebzehntausend Höhenmetern auf gut vierhundertdreißig Kilometern ist die Tour eine ernsthafte Aufgabe, aber gut strukturiert. Die Abfahrten liefern genug Spannung, ohne dauerhaft zu überfordern, und der Weg durch so unterschiedliche Regionen trägt die Woche. Ich würde sie fahren, wenn du solide S2 fährst und dich auf viele lange Anstiege freust. Wenn du vor allem Flow suchst, bist du in einem Bikepark besser aufgehoben.







