Vom Obernberger See über die schönsten Seitenkämme Südtirols zum Gardasee
Ein Alpencross vom Brenner zum Gardasee klingt erst einmal nach bekannter Strecke. Diese Alpenüberquerung fährt aber bewusst nicht die direkte Linie nach Süden. Sie schlägt Haken. Vom Wipptal geht es zuerst am Obernberger See vorbei hinauf zum Sandjöchl. Oben wartet der Pflerscher Höhenweg, ein Pfad hoch über dem Tal, und danach das Portjoch mit der langen Abfahrt nach Sterzing. Schon der erste Tag zeigt, worum es hier geht: Jöcher, Höhenwege und Abfahrten mit Substanz. Danach biegt die Route nicht etwa ins Eisacktal ab. Sie zieht nach Osten, über das Pfunderer Joch ins Pustertal. Das ist der höchste Punkt der ganzen Tour und der Moment, in dem du merkst, dass diese Linie anders gedacht ist. Erst am nächsten Tag führt das Astjoch zurück Richtung Brixen. Wer schon einen Klassiker gefahren ist, kennt hier fast nichts.
Dieser Umweg ist kein Zufall, sondern der eigentliche Grund für die Tour. Statt Radweg-Kilometern im Etschtal sammelst du Übergänge über die Seitenkämme Südtirols. Über Brixen geht es hinauf zum Radlsee, und dieser Tag endet nicht im Tal, sondern oben am Berg. Am nächsten Morgen startest du deshalb schon in der Höhe. Über den Gasteiger Sattel und am Hörtenbergkreuz vorbei rollst du lange bergab ins Überetsch. Dann kommt der Mendelkamm mit Lavinascharte und Roen. Von dort schaust du über das ganze Etschtal, das andere Routen mühsam durchqueren. Auf der letzten Etappe wechselt die Landschaft komplett. Du fährst am Lago di Andalo und am Lago di Molveno vorbei, unter der Brenta hindurch, und später am Lago di Toblino. Aus dem alpinen Hochgebirge wird Schritt für Schritt das mediterrane Sarcatal. So erlebst du in einer Woche mehr Gegensätze als auf jeder direkten Linie.
Ehrlich gesagt verlangt diese Linie einiges. Fast jeder Tag ist ein voller Bergtag, und nur die Etappe ins Überetsch geht deutlich mehr bergab als bergauf. Am Pfunderer Joch und am Mendelkamm gibt es Rampen, auf denen du schiebst. Die ersten Tage haben Abfahrten mit verblockten Passagen, die ein sicheres Fahrkönnen brauchen. Zwischen Sterzing und dem Pfunderer Tal fährst du außerdem ein Stück Landesstraße. Das Finale ist kein Trailfeuerwerk zum See, sondern ein gemütliches Ausrollen über Forstwege und Schotter an Seen vorbei. Wer das weiß, bekommt eine Alpenüberquerung, die sich nicht wie eine Kopie anfühlt. Du fährst durch Täler, in die kaum ein Alpencross führt, über Jöcher mit langen Abfahrten auf der anderen Seite. Und du kommst am Gardasee an mit dem Gefühl, einen eigenen Weg gefunden zu haben. Genau das unterscheidet diese Tour von den bekannten Linien.
Alle Informationen zum Alpencross Brenner Gardasee


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Die Tour ist nur bedingt mit dem eMTB fahrbar. Abschnittsweise gibt es Schiebe- oder Tragepassagen, die mit dem eMTB nicht optimal sind. Oder entlang der Route befinden sich abschnittsweise wenige bis keine Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
Alpencross Brenner Gardasee: Etappen-Details
01
Innsbruck-Land → Sterzing
Steiler Auftakt aus Tirol, hoher Übergang und ruppige Abfahrt nach Sterzing.
43,0 km
↑ 2.080 hm · ↓ 2.370 tm
ø 8,7 % · Fahrtechnik S3
02
Sterzing → Kiens
Königsetappe der Höhe: harter Anstieg zum Dach der Tour, endlose Abfahrt.
54,5 km
↑ 1.929 hm · ↓ 2.041 tm
ø 7,6 % · Fahrtechnik S2
03
Kiens → Brixen
Langer Morgenanstieg, danach technisch anspruchsvolle Passagen hinunter nach Brixen.
42,0 km
↑ 1.923 hm · ↓ 2.189 tm
ø 9,1 % · Fahrtechnik S3
04
Brixen → Chiusa
Fast nur bergauf: ein Tag zum Klettern, kaum Abfahrtsbelohnung.
28,9 km
↑ 2.002 hm · ↓ 644 tm
ø 9,9 % · Fahrtechnik S0
05
Chiusa → Sankt Michael
Früh oben, dann kilometerlang bergab bis ins Weinland bei Eppan.
51,2 km
↑ 1.016 hm · ↓ 2.534 tm
ø 6 % · Fahrtechnik S2
06
Sankt Michael → Altspaur
Härtester Konditionstag mit brutal steilem Anstieg und mehreren Abfahrten.
53,6 km
↑ 2.557 hm · ↓ 2.391 tm
ø 10,7 % · Fahrtechnik S2
07
Altspaur → Linfano
Flowiger Ausklang über Schotter und Waldwege hinunter zum Gardasee.
61,3 km
↑ 1.313 hm · ↓ 1.820 tm
ø 5,1 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit
Das optimal Zeitfenster für diesen Alpencross Brenner Gardasee liegt zwischen Anfang Juli und Ende September. Der Grund ist schlicht die Höhe: Am zweiten Tag geht es auf rund 2.580 Meter, und auch an mehreren anderen Tagen bewegst du dich über 2.100 Metern. Dort oben hält sich Schnee in schattigen Lagen oft bis in den Frühsommer, während der Gardasee am Ende der Woche schon im Mai warm wäre.
Ein früher Termin Ende Juni kann funktionieren, bringt aber das Risiko von Altschneefeldern und nassen, rutschigen Hochpassagen mit sich. Im Hochsommer sind die Tage lang, dafür bauen sich nachmittags gern Gewitter auf, was auf exponierten Kämmen ernst zu nehmen ist. Der September ist mein persönlicher Favorit: oft klarere Luft, angenehmere Temperaturen in den Tälern und ein milder See zum Abschluss. Gegen Ende des Monats werden die Tage kürzer und erste Kälteeinbrüche in der Höhe wahrscheinlicher.
Plane die langen Anstiege konsequent früh am Morgen ein, dann bist du über der Waldgrenze, bevor sich Wolken türmen. Ein Reservetag im Plan nimmt Druck raus, falls ein Hochtag wetterbedingt verschoben werden muss. Und kurz vor dem Start lohnt ein Blick auf Schneelage und Wetterbericht für die höchsten Abschnitte.
Tipps für deine Ankunft
Linfano liegt genau dort, wo die Sarca in den Gardasee fließt, zwischen Torbole und Riva. Für dich heißt das: Du bist nicht mitten im Trubel, aber in wenigen Minuten überall. Das Erste nach sieben Tagen Jöcher ist natürlich der See. Roll zum Ufer an der Sarcamündung, stell das Bike ab und spring rein. Danach lohnt sich ein Abstecher zur Linfano Bike Farm direkt am Sarca-Radweg zwischen Torbole und Arco. Das ist ein Lokal mit Biergarten, in dem du verschwitzt und mit dreckigem Bike niemandem auffällst. Hier gibt es das erste kalte Bier am Ziel und etwas Herzhaftes gegen den Hunger der letzten Etappe. Wenn du in Linfano übernachtest, liegt auch der Campingplatz Arco Lido gleich in der Nähe, beliebt bei Radfahrern und Wassersportlern.
Für das Eis fährst du ein kurzes Stück nach Torbole. Die Gelateria La Bottega del Gelato liegt nah am See und ist bei Bikern für große Portionen bekannt. Danach schiebst du am besten weiter an die Uferpromenade, denn dort ist Radfahren teilweise verboten. Torbole ist abends der Platz für den Aperitif. Die Sonne geht über dem See unter, die Surfer kommen rein, und am Nachbartisch erzählen andere Alpencrosser von ihrer Route. Du wirst merken, dass kaum einer über das Pfunderer Joch gekommen ist. Wer lieber etwas ruhiger sitzt, fährt am Abend den flachen Sarca-Radweg nach Arco. Das ist kein Training mehr, sondern lockeres Ausrollen mit Blick auf die Burg.
Arco lohnt sich gerade am Ankunftsabend. Die Burg thront auf einem steilen Felsen über der Stadt, und in der Altstadt stehen Jugendstilvillen aus der Zeit, als hier der österreichische Kaiserhof überwinterte. Für das Abendessen bummelst du durch die Gassen und suchst dir einen Platz, der dir gefällt. Die Auswahl ist groß, und gerade nach so einer Woche schmeckt alles. Wer noch Lust auf Stadt hat, rollt stattdessen nach Riva del Garda zur Piazza III Novembre mit der Torre Apponale. Arco ist ruhiger und hat mehr Kletterer und Biker, Riva ist lebhafter und touristischer. Beides funktioniert. Am nächsten Morgen lohnt ein Blick auf die Hausberge rund um Arco. Für einen lockeren Ausflug, der nichts mehr mit der Etappenplanung zu tun hat, bist du hier genau richtig.
Mein Fazit: Alpencross Brenner Gardasee
Diese Alpencross vom Brenner an den Gardasee ist für alle, die schon einmal über die Alpen gefahren sind und keine Lust auf die zweite Runde derselben Linie haben. Der Reiz liegt in der Routenführung. Sie verzichtet auf den schnellen Weg nach Süden und nimmt stattdessen jeden Kamm mit, der sich anbietet. Das kostet Kraft und Zeit, gibt dir aber Tage, die sich alle unterschiedlich anfühlen. Der Auftakt über den Pflerscher Höhenweg ist für mich der stärkste Tag. Das Pfunderer Joch ist der härteste. Die Nacht oben am Berg nach dem Radlsee ist das, was man in Erinnerung behält. Und die Seen am letzten Tag sind das versöhnliche Ende nach einer Woche Höhenmeter. Wer einen Trail-Showdown am Gardasee erwartet, wird enttäuscht. Wer eine Alpenüberquerung mit eigenem Charakter sucht, wird hier fündig.
Die Gesamtnote S2 täuscht ein wenig. An den ersten Tagen gibt es S3-Abfahrten, die du sauber fahren können solltest. Dazu kommt, dass ein großer Teil der Abfahrten nicht klassifiziert ist. Rechne also mit Stellen, die schwerer sind als die Note vermuten lässt, und steig im Zweifel ab. Konditionell ist das eine Tour für gut trainierte Fahrer. Fast jeder Tag bringt einen langen Anstieg, und am Pfunderer Joch sowie zwischen Mendel und Roen gibt es Rampen, an denen Fahren keine Option mehr ist. Der Trailanteil ist ordentlich, besonders am Anfang und an den Jöchern, aber nicht dominierend. Dazwischen liegen viele Forst- und Schotterwege und einige Stücke Asphalt, vor allem auf Landesstraße hinter Sterzing und auf der letzten Etappe.
Meine Empfehlung: Fahr diese Alpenüberquerung, wenn du die Klassiker schon kennst und S2 sicher im Griff hast, auch wenn mal ein S3-Stück dazwischenkommt. Fahr sie, wenn dir Abwechslung wichtiger ist als die direkte Linie und du bereit bist, dafür zu schieben. Lass sie liegen, wenn das deine erste Alpenüberquerung ist oder du jeden Tag möglichst viel Trail und möglichst wenig Bergauf willst. Dann bist du auf einer weniger fordernden Route besser aufgehoben. Für alle anderen gilt: Diese Linie ist genau das Richtige, wenn dich die bekannten Wege nicht mehr reizen. Du kommst am See an und hast etwas erlebt, das dir die meisten am Nachbartisch nicht erzählen können.







