Ein unvergesslicher Alpencross quer durch die Dolomiten, der nicht am Gardasee, sondern in der venetischen Ebene endet.
Diese Tour hat eine klare Richtung: aus Südtirol quer durch die Dolomiten und zum Schluss hinunter an die Brenta nach Bassano del Grappa. Genau dieser Bogen macht für mich ihren Reiz aus. Gleich am ersten Tag führt die Route am Stoanamandl vorbei, nahe dem Valler Jöchl, zieht dann an der Rienzschlucht und am Stausee Mühlbach entlang und erreicht schließlich Rodeneck. Danach wechselst du über den Glittnersee, den Lé de Limo und den Jù dal’Ega nach Alta Badia. Der dritte Tag verbindet Lago di Valparola, Passo Falzarego und Forcella Nuvolau, bevor er am Lago di Alleghe endet. Später folgen Forcella di San Tomaso, Forzela L’Agazon und der Laghetto bei der Baita Segantini, dann die Seen von Pedesalto und Corlo sowie die Ripari Villabruna als Fenster in die Frühgeschichte. Am letzten Tag fährst du im Umfeld des Monte Grappa, ehe es in die Ebene geht. Unterwegs wechseln Sprache, Bergformen und Landschaft. Das fühlt sich nicht wie ein Trailpark an, sondern wie eine Reise über ein Gebirge.
Damit keine falschen Erwartungen entstehen: Das ist keine Trailtour. Die meisten Abfahrten laufen auf Schotter und Forstweg, gut fahrbar auch mit müden Beinen. Ein paar Stellen werden aber richtig ernst. Dort ist es kurz, steil und verblockt, und auch gute Fahrer steigen ab, ohne sich zu schämen. Die eigentliche Arbeit wartet bergauf. Die Anstiege ziehen sich am Stück, dazu kommen Rampen, auf denen das Vorderrad leicht wird und Schieben schlicht schneller ist. Und es gibt Asphalt. Vor allem in der zweiten Hälfte verbinden Straßen die Täler, teils mit Verkehr. Das ist der Preis dafür, dass die Route nicht im Kreis fährt, sondern wirklich irgendwo ankommt. Wer Kondition für mehrere lange Bergtage hintereinander mitbringt und auf Schotter sicher unterwegs ist, kommt gut durch. Wer Singletrail ohne Pause erwartet, ist hier falsch. Am Ende stehst du auf der Brücke in Bassano, die Dolomiten im Rücken, und weißt genau, was du geschafft hast.
Alle Informationen zum Dolomiten Alpencross 6 Tage


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Die Tour ist gut mit dem eMTB fahrbar. Die Wege sind durchgehend fahrbar, ohne nennenswerte Schiebe- oder Tragepassagen. Entlang der Route gibt es ausreichend viele Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
Etappen-Details
01
Stazione → Rodengo
Harter Einstieg mit zwei langen Anstiegen und weiter Abfahrt dazwischen.
52,1 km
↑ 2.474 hm · ↓ 1.520 tm
ø 7,5 % · Fahrtechnik S1
02
Rodengo → Sankt Kassian
Nach Alta Badia, mit langer Abfahrt und einer kurzen, sehr schweren Passage.
59,0 km
↑ 1.825 hm · ↓ 2.171 tm
ø 5,5 % · Fahrtechnik S4+
03
Sankt Kassian → Alleghe
Höchster Punkt der Tour, steiler Anstieg und ruppigere Abfahrten Richtung Alleghe.
53,7 km
↑ 2.279 hm · ↓ 2.853 tm
ø 8,8 % · Fahrtechnik S1
04
Alleghe → Sankt Martin am Sismunthbach
Viel Asphalt, giftige Rampen und am Ende hinunter nach San Martino.
50,5 km
↑ 2.299 hm · ↓ 1.790 tm
ø 7,9 % · Fahrtechnik S2
05
Sankt Martin am Sismunthbach → Rocca
Früh hoch, dann eine lange Abfahrt mit flowigen S2-Abschnitten.
60,0 km
↑ 1.629 hm · ↓ 2.838 tm
ø 6,9 % · Fahrtechnik S2
06
Rocca → Bassano del Grappa
Ein letzter langer Anstieg, dann rollst du hinunter an die Brenta.
44,8 km
↑ 1.732 hm · ↓ 1.888 tm
ø 8,4 % · Fahrtechnik S1
Bilder




Beste Reisezeit
Ich würde diesen Dolomiten Alpencross 6 Tage zwischen Anfang Juli und Ende September planen. Der höchste Punkt liegt bei rund 2.400 Metern, mehrere Tage führen über 2.100 Meter. In diesen Höhen kann sich in den Dolomiten bis in den Juni hinein Altschnee halten, gerade in Nordhängen und schattigen Rinnen.
Ein früher Termin Ende Juni bringt dir lange Tage, grüne Wiesen und oft weniger Betrieb, dafür ein höheres Risiko für Schneefelder und nasse Passagen oben. Hochsommer heißt meist volle Hütten und Pässe, außerdem häufige Nachmittagsgewitter, die du bei langen Anstiegen ernst nehmen solltest. Im Spätsommer, etwa ab Ende August, werden die Tage kürzer und die Morgen frisch, dafür ist das Licht klar und die Hitze am Ende in Bassano erträglicher. Genau dieses Fenster finde ich am stimmigsten.
Mein Planungstipp: Starte auf den Tagen mit großen Anstiegen früh, damit du die hohen Abschnitte vor möglichen Gewittern hinter dir hast. Buche Unterkünfte in den Dolomiten rechtzeitig, dort ist sehr viel los. Und prüfe kurz vor der Abreise die aktuelle Lage zu Schnee, Wegsperrungen und Wetter.
Tipps für deine Ankunft
Nach der langen Abfahrt vom Grappa-Massiv wird es plötzlich flach, warm und städtisch. Bassano liegt an der Brenta, und die Altstadt ist kompakt genug, um alles zu Fuß zu erledigen. Erst das Rad, dann du: Frag in der Unterkunft gleich nach einem Wasserschlauch und einem abschließbaren Platz, bevor du dich hinlegst. In der engen Altstadt ist Schritttempo angesagt, also schieb die letzten Meter lieber. Danach führt kein Weg an der Ponte degli Alpini vorbei, der überdachten Holzbrücke nach einem Entwurf von Palladio, die hier alle nur Ponte Vecchio nennen. Direkt am Brückenkopf sitzt die Grapperia Nardini, eine der ältesten Brennereien Italiens. Dort ein Glas Grappa im Stehen zu trinken, ist das Zielritual dieser Tour.
Mehr Programm braucht der Abend nicht. Rund um die Piazza Libertà und die Piazza Garibaldi findest du Bars und Osterie für Spritz und Abendessen. Bestell regional: Bigoli, die dicken venetischen Nudeln, oder Baccalà alla vicentina machen nach den Bergtagen richtig Freude. Wer am nächsten Morgen noch Zeit hat, schaut ins Poli Museo della Grappa gleich an der Brücke oder schlendert die Uferwege an der Brenta entlang. Das lockert die Beine besser als jedes Dehnprogramm. Einen Tipp noch aus Erfahrung: Grappa und leerer Magen nach sechs Tagen im Sattel vertragen sich schlecht. Erst essen, dann anstoßen. Und lass dir Zeit auf der Brücke. Im Norden siehst du die Berge, über die du gerade gekommen bist.
Dolomiten Alpencross 6 Tage – Mein Fazit
Diese Tour ist für Leute, die den Gardasee abgehakt haben und wissen wollen, was die Dolomiten auf dem Rad wirklich können. Die Stärke liegt nicht in einzelnen Wow-Trails, sondern in der Abfolge. Jeder Tag bringt ein neues Tal, eine neue Sprache auf den Ortsschildern, einen neuen Pass. Ladinisch, dann Italienisch, dann Venetisch im Ohr. Das fühlt sich nach Reise an, nicht nach Bikepark mit Gepäck. Der Nuvolau und die Pale di San Martino sind die Momente, an die du dich später erinnerst. Die Zumutung gehört dazu: Die Tage sind lang, die Rampen fies, und manche Straßenkilometer im Süden sind schlicht Transfer. Wer damit hadert, sollte sich vorher ehrlich fragen, ob er Strecke machen oder Trails jagen will.
Der Haken: Die Gesamtnote S2 täuscht etwas, denn am zweiten Tag wartet ein kurzes S4-Stück, und am dritten Tag gibt es S3-Passagen. Wer da nicht sicher ist, schiebt, und das ist völlig in Ordnung, sollte aber eingeplant werden. Gleichzeitig enthält die Tour spürbar viel Asphalt und Straße, besonders am vierten und fünften Tag. Das ist praktisch für den Fortschritt, nimmt aber manchem Abschnitt etwas Bergatmosphäre.
Meine klare Einschätzung: Wer konditionell fit ist, sauber auf Schotter fährt und bei einer verblockten Stelle ohne Ego vom Rad steigt, bekommt hier einen der stimmigsten Alpencrosse, die man sich selbst organisieren kann. Für Einsteiger ist das zu viel. Nicht wegen der Technik, sondern weil sich die Bergtage ohne Pause aneinanderreihen. Für reine Abfahrtsjäger ist es zu wenig, denn die richtig harten Stellen sind kurz und selten. Für alle dazwischen passt es genau. Mein Rat: Fahr leicht, plane großzügig Zeit für die Anstiege und spar dir die Kraft nicht für die Abfahrten auf, sondern für den letzten Anstieg vor Bassano. Die Dolomiten kennst du dann. Den Grappa hast du dir verdient.







