Von Sterzing an den Gardasee: sechs fordernde Tage über Joche und Sättel, mit langen Abfahrten und spürbar wechselnden Landschaften.
Diese Route lässt die Dolomiten bewusst links liegen. Statt Felstürmen und berühmten Pässen bekommst du die weniger bekannten Berge zwischen Eisacktal und Etschtal. Den Auftakt teilt sie sich mit unserer Dolomiten-Route: Von Sterzing geht es hinauf zum Pfunderer Joch und in einer langen Abfahrt hinunter ins Pustertal. Danach dreht die Tour nach Westen ab. Über das Astjoch kommst du zurück nach Brixen. Am nächsten Tag kurbelst du fast nur bergauf, bis hinauf zum Radlsee hoch über der Stadt. Kurzer Tag, viel Höhe. Der Morgen danach beginnt deshalb schon weit oben. Über den Gasteiger Sattel folgt eine Abfahrt auf die nächste, bis hinunter nach Eppan. Genau diese Wechsel machen den Charakter aus. Jeder Tag hat ein anderes Gesicht, keiner fühlt sich an wie eine Überführung. Wer Abwechslung sucht statt Postkartenmotive, ist hier richtig.
Ab Eppan wird es vielseitiger, aber nicht leichter. Den Mendelpass sparst du dir auf der Straße und nimmst die Mendelbahn. Oben am Roen und an der Lavinascharte schaust du weit über das Etschtal. Dazwischen warten Rampen, an denen jeder absteigt. Das ist der große Unterschied: Diese Tour läuft am Ende nicht gemütlich aus. Der letzte Tag ist der längste und fordert noch einmal alles. Im Paganella-Bikepark kannst du Lifte nutzen, musst aber nicht. Ohne Liftunterstützung wartet dort eine brutal steile Rampe, auf der du schiebst. Vom Monte Ranzo geht es dann die steilste Abfahrt der Woche hinunter Richtung Lago di Toblino. Erst danach rollst du entspannt an den Gardasee. Auf Asphalt in den Tälern musst du dich trotzdem einstellen. Die Abfahrten liegen meist im mittleren Bereich, an den meisten Tagen kommen einzelne knifflige Stellen dazu. Wer bis zum Schluss Technik will, bekommt sie hier.
Alle Informationen zum Alpencross Südtirol Gardasee


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eMTB-Variante Bedingt eMTB-geeignet
Die Tour ist nur bedingt mit dem eMTB fahrbar. Abschnittsweise gibt es Schiebe- oder Tragepassagen, die mit dem eMTB nicht optimal sind. Oder entlang der Route befinden sich abschnittsweise wenige bis keine Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
Etappen-Details
01
Sterzing → Kiens
Hochalpiner Auftakt mit langem, steilem Anstieg und sehr langer Abfahrt Richtung Pustertal.
54,5 km
↑ 1.929 hm · ↓ 2.041 tm
ø 7,6 % · Fahrtechnik S2
02
Kiens → Brixen
Langer Morgenanstieg, dann technisch die kniffligste Etappe mit steilen Abfahrten nach Brixen.
42,0 km
↑ 1.923 hm · ↓ 2.189 tm
ø 9,1 % · Fahrtechnik S3
03
Brixen → Chiusa
Kurzer Tag mit viel Höhengewinn, wenig Technik und sanftem Ausklang.
28,9 km
↑ 2.002 hm · ↓ 644 tm
ø 9,9 % · Fahrtechnik S0
04
Chiusa → Sankt Michael
Abfahrtstag: nach kurzem steilem Aufstieg lange Abfahrten hinunter ins Überetsch.
51,2 km
↑ 1.016 hm · ↓ 2.534 tm
ø 6 % · Fahrtechnik S2
05
Sankt Michael → Altspaur
Auf den Mendelpass mit der Mendelbahn und über Schiebestücke nach Spormaggiore.
53,6 km
↑ 2.557 hm · ↓ 2.391 tm
ø 10,7 % · Fahrtechnik S2
06
Altspaur → Linfano
Langer Finaltag mit optionaler Liftnutzung im Paganella Bikepark, ruppiger Abfahrt und Ausrollen zum Gardasee.
64,6 km
↑ 2.418 hm · ↓ 2.928 tm
ø 9,4 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit für den Alpencross Südtirol Gardasee
Das optimale Zeitfenster für den Alpencross Südtirol Gardasee liegt zwischen Mitte Juli und Ende September. Der Grund ist vor allem der erste Tag: Mit rund 2.600 Metern liegt der höchste Punkt gleich zu Beginn, und auch an den folgenden Tagen bist du mehrfach über 2.000 Metern unterwegs. In dieser Höhe brauchen Altschneefelder ihre Zeit, und genau dort willst du nicht im Matsch oder auf hartem Firn schieben.
Ein früher Termin Ende Juni kann reizvoll sein, weil die Täler grün sind und es am Gardasee noch nicht drückend heiß ist. Dafür steigt das Risiko, oben noch auf Schnee zu treffen. Ein später Termin Ende September bringt oft klare Sicht und angenehme Temperaturen an den langen Anstiegen, aber kürzere Tage und kühle Morgen in der Höhe. Im Hochsommer solltest du wiederum mit Hitze in den Tälern und Gewittern am Nachmittag rechnen.
Mein Tipp: Starte die großen Anstiege früh am Morgen, gerade an den Tagen eins und fünf. So bist du oben, bevor sich Quellwolken auftürmen. Prüfe kurz vor der Abreise die aktuellen Bedingungen in der Höhe und plane einen Puffertag ein, falls ein Wettertag dazwischenkommt.
Tipps für deine Ankunft
Linfano ist ein Ortsteil von Arco, direkt am Nordufer des Gardasees zwischen Torbole und Riva. Für dich heißt das: Du bist am Wasser, sobald du ankommst. Der Lido di Arco liegt gleich neben dem Radweg, der Torbole, Riva und Arco verbindet. Viel Wiese, Kies am Ufer. Genau der richtige Ort, um die Beine ins kühle Wasser zu hängen, bevor du überhaupt an Duschen denkst. Wer im Camping Arco Lido an der Sarca unterkommt, hat Waschmaschine und Trockner vor Ort. Nach sechs Tagen in denselben Klamotten ist das mehr wert als jeder Wellnessbereich. Einen kleinen Markt mit Bar gibt es dort auch, also kommst du schnell an ein kaltes Getränk und etwas zu essen.
Meine Empfehlung: Rad abstellen, duschen und dann zu Fuß ans Ufer. Ein ruhiger Spaziergang am Wasser entlang, Richtung Torbole oder Richtung Riva, ist genau das richtige Tempo für müde Beine. Wenn es warm genug ist, geh kurz ins Wasser, das tut den Oberschenkeln nach dieser Woche richtig gut. Setz dich dann irgendwo hin, wo du auf den See schauen kannst, und lass den Blick zurück nach Norden wandern, dorthin, wo du hergekommen bist. Dieser Moment gehört für mich zu den schönsten der ganzen Reise.
Alpencross Südtirol Gardasee – Mein Fazit
Ich halte diese Route für eine der ehrlicheren Varianten an den Gardasee. Sie lässt die langweiligen Talkilometer im Norden weg und investiert die gewonnene Zeit in Höhe. Das Pfunderer Joch am ersten Tag ist ein Statement: Wer da oben schon zweifelt, weiß früh Bescheid. Die Linie über Astjoch, Radlsee und Gasteiger Sattel ist kein Umweg, sondern der eigentliche Grund, genau diese Tour zu wählen. Du fährst viel auf Wegen und Pfaden ohne Autoverkehr. Der Preis dafür sind Schiebepassagen, die wirklich steil sind, und ein paar Asphaltstücke im Tal, die keiner schön findet. Ich würde dir trotzdem nichts davon wegnehmen. Außer der Straße zum Mendelpass. Dafür gibt es die Bahn, und die solltest du nehmen.
Für wen ist das nichts? Für alle, die Alpencross mit Flowtrail-Urlaub verwechseln. Die Abfahrten liegen meist im mittleren Bereich, dazwischen warten einzelne harte Stellen. Dort steigst du ab, wenn der Kopf nach einem langen Tag nicht mehr mitspielt. Die Etappen sind außerdem ungleich: Ein kurzer Tag, der fast nur bergauf geht, wechselt sich mit langen Tagen ab, die dich abends leer machen. Wer bereits einen Alpencross gefahren ist, S2 sauber beherrscht und Schieben nicht als Niederlage sieht, bekommt hier genau die richtige Portion. Als erste Transalp würde ich sie niemandem empfehlen. Allen anderen schon. Den Gardasee erreicht jeder. Über das Pfunderer Joch dorthin zu kommen, nicht.
Diese Tour ist für dich, wenn du konditionell richtig gut beieinander bist, S2 souverän fährst und dich von einzelnen S3-Stellen oder Schiebepassagen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Für Einsteiger in Mehrtagestouren ist sie zu hart, für reine Trailjäger zu sehr auf Ausdauer angelegt.







