Die klassische Linie Allgäu–Gardasee mit hochalpinen Übergängen, Trails und fast täglich ein Bergsee direkt am Weg.
MTB Transalp Oberstdorf–Riva ohne Hüttenmarathon: Diese Route folgt der klassischen Linie vom Allgäu an den Gardasee. Sie ist aber für Mountainbiker geplant, die abends lieber im Tal ankommen als auf der Hütte. Nur die erste Nacht verbringst du oben, auf der Ravensburger Hütte. Das ist keine Vorliebe, sondern Geografie. Zwischen Lechtal und Klostertal gibt es dort keine sinnvolle Alternative. Ab dem zweiten Tag endet jede Etappe in einem Ort. Du bekommst eine heiße Dusche, ein richtiges Bett und ein Abendessen, das du dir selbst aussuchst. Das klingt nach Luxus, ist aber vor allem Regeneration. Wer gut schläft, sitzt am nächsten Morgen frischer auf dem Rad. Bei einer Woche mit so vielen Anstiegen macht das spürbar etwas aus. Gleichzeitig verlierst du nichts von dem, was eine Alpenüberquerung ausmacht. Jeden Tag geht es über einen hohen Übergang, oft weit über der Baumgrenze. Erst danach rollst du hinunter ins nächste Tal.
Die Route nimmt die starken Übergänge mit und lässt die schwierigsten Abfahrten weg. Gleich am ersten Tag stehen Schrofenpass und Stierlochjoch auf dem Programm. Danach führt dich der Weg am Spullersee vorbei ins Paznaun und über den Fimberpass hinüber nach Scuol im Unterengadin. In der Mitte der Woche wird es fahrtechnisch ruhiger. Über den Ofenpass und vorbei an den Stauseen von Livigno und Val Fraele geht es hinunter nach Bormio. Dann folgen der Gavia, die Forcellina di Montozzo und zum Schluss die Pässe der Brenta, bevor du zum Gardasee abfährst. Auffällig sind die vielen Bergseen. Fast jeden Tag liegt einer direkt am Weg. Wer bei uns schon die Heckmair-Route angeschaut hat, findet hier eine andere Linie. Heckmair ist das Original, mit dem der Alpencross begann, und endet über den Tremalzo.
Auf unserer Seite findest du eine anspruchsvollere Hüttenvariante mit mehreren Nächten am Berg und mehr Technik. Diese Route ist die zugänglichere von beiden. Zugänglicher heißt aber nicht leicht. Konditionell ist das eine volle Alpencross-Woche. Die Anstiege sind lang, und einige Rampen fährt kaum jemand hoch. Dann wird geschoben, am ersten Tag auch länger. In den Abfahrten bewegst du dich meist auf Schotter, Forstwegen und gut fahrbaren Pfaden. Ein paar kurze Stellen sind trotzdem steil und verblockt. Wer dort unsicher ist, steigt kurz ab und verliert nichts. Dazu kommt Asphalt, mehr als bei einer Hüttenroute. Die Nächte im Tal haben ihren Preis: Wer unten schläft, muss morgens auch wieder hoch, oft zuerst auf der Straße. Den Gavia fährst du auf der bekannten Passstraße, an schönen Tagen mit Verkehr. Wer reinen Trailflow von früh bis spät sucht, wird hier nicht glücklich. Wer dagegen eine ehrliche Alpenüberquerung mit gutem Schlaf, großen Panoramen und machbarer Fahrtechnik will, sitzt auf dieser Route genau richtig.
Alle Informationen zur MTB Transalp Oberstdorf


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Die Tour ist gut mit dem eMTB fahrbar. Die Wege sind durchgehend fahrbar, ohne nennenswerte Schiebe- oder Tragepassagen. Entlang der Route gibt es ausreichend viele Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
MTB Transalp Oberstdorf – Etappen-Details
01
Oberstdorf → Dalaas
Aus dem Allgäu nach Vorarlberg, mit giftig steilem Schlussanstieg in die Höhe.
39,9 km
↑ 1.764 hm · ↓ 625 tm
ø 6 % · Fahrtechnik S3
02
Dalaas → Mathon
Langer Wechsel ins Paznaun, viel Schotter und zwei kräftige Anstiege.
56,1 km
↑ 1.812 hm · ↓ 2.310 tm
ø 6,2 % · Fahrtechnik S2
03
Mathon → Scuol
Großer Aufstieg ins Hochgebirge, danach eine lange, teils technische Abfahrt ins Engadin.
52,4 km
↑ 2.142 hm · ↓ 1.772 tm
ø 6,8 % · Fahrtechnik S2
04
Scuol → Bormio
Flowiger Übergang nach Italien auf Naturwegen, fahrtechnisch der entspannteste Tag.
51,3 km
↑ 1.626 hm · ↓ 2.243 tm
ø 6 % · Fahrtechnik S1
05
Bormio → Pezzo
Viel Straße hinauf zum Dachpunkt der Tour, dann ruppige Abfahrt.
37,8 km
↑ 1.822 hm · ↓ 1.436 tm
ø 8 % · Fahrtechnik S3
06
Pezzo → Palù
Steiler Start, sehr lange Abfahrt und eine kurze, wirklich anspruchsvolle Stelle.
58,5 km
↑ 2.109 hm · ↓ 2.175 tm
ø 8 % · Fahrtechnik S2
07
Palù → Riva del Garda
Durchs Trentino hinunter zum Gardasee, das Finale ist steil und lang.
59,9 km
↑ 1.507 hm · ↓ 2.954 tm
ø 6,1 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit
Das optimale Zeitfenster für diese Tour reicht von Mitte Juli bis Ende September. Mehrere Übergänge liegen über 2.500 Metern, der höchste Punkt sogar bei rund 2.620 Metern. In dieser Höhe hält sich Schnee in Nordhängen und Rinnen oft länger, als man unten im Tal vermuten würde.
Fährst du früh, also Ende Juni oder Anfang Juli, musst du damit rechnen, Altschneefelder zu queren und zu schieben. Die Wege sind dann oft nass und die Bäche voll. Ein später Termin Ende September bietet häufig klare Fernsicht und ruhigere Wege. Dafür sind die Tage kürzer und die Morgen in der Höhe frostig. Außerdem fahren Hütten und Bergbahnen ihren Betrieb teilweise schon herunter. Für Riva gilt umgekehrt: Im Hochsommer kann die letzte Abfahrt in die Hitze am See sehr anstrengend werden.
Tipps für deine Ankunft
Die letzte Abfahrt spuckt dich am Nordende des Sees aus, und plötzlich ist alles anders. Gerade warst du noch im Hochgebirge, jetzt sitzen Leute in Flip-Flops am Ufer. Roll als Erstes ans Wasser. Die Uferpromenade ist der Ort, an dem Alpencrosser seit Jahrzehnten ihr Zielfoto machen, meistens mit dem Bike über dem Kopf. Danach geht es für viele direkt in den See, mit oder ohne Badehose. Keine Sorge, du bist nicht der Erste in verschwitzter Bikehose. Gönn dir anschließend ein Eis in der Altstadt. Die ist weitgehend autofrei, also schieb das Rad durch die Gassen und lass dich treiben. Bevor du duschst, frag in der Unterkunft nach dem Bikeraum und einer Möglichkeit, das Rad abzuspritzen. Nach einer Woche Staub, Schlamm und Kettenöl hat es das verdient.
Für den Aperitif gibt es einen klaren Treffpunkt: die Piazza III Novembre direkt am Hafen. Der Platz ist von Bogengängen eingerahmt, darüber steht der Torre Apponale, der mittelalterliche Uhrturm der Stadt. Wer noch Beine hat, steigt hinauf. Von oben siehst du den See und die Berge im Norden, über die du gerade gekommen bist. Das ist ein besserer Abschluss als jede Medaille. Danach setzt du dich in eine der Bars rund um die Piazza, bestellst einen Spritz und schaust dem Abendbetrieb am Hafen zu. Zum Essen bleibst du am besten in der Altstadt, die Auswahl ist groß. Pizza und Pasta sind nach einer Woche Riegel, Gels und Etappenkost genau das Richtige. Lass dir Zeit beim Bestellen. Morgen muss niemand früh los, und der zweite Teller ist heute ausdrücklich erlaubt.
Wenn du noch einen Tag am See hast, nutz ihn. Die Wasserburg Rocca liegt direkt am Ufer und beherbergt das Stadtmuseum MAG. Das ist eher etwas für einen ruhigen Vormittag als für müde Beine am Ankunftsabend. Kurz außerhalb liegt die Cascata del Varone, ein Wasserfall tief in einer engen Felsschlucht. Wer das Rad partout nicht stehen lassen kann, rollt die alte Ponale-Straße hinauf. Sie ist in den Fels über dem See gehauen, für Autos gesperrt und hat einen Blick, für den andere Leute extra anreisen. Ohne Gepäck und ohne Etappendruck fühlt sich das an wie eine Ehrenrunde. Danach wieder runter, ein letzter Sprung ins Wasser und ein Espresso am Hafen. So endet eine Alpenüberquerung, wie sie enden soll.
MTB Transalp Oberstdorf – Mein Fazit
Diese Route ist meine Antwort auf eine Frage, die ich oft höre: Geht Oberstdorf–Gardasee auch ohne Hüttenmarathon und ohne die ganz harten Abfahrten? Ja, mit Abstrichen. Die Gesamtnote S2 beschreibt den Großteil der Strecke ehrlich. Die meisten Abfahrten laufen über Schotter, Forstwege und Pfade im Bereich S0 bis S1. Ein paar Stücke sind härter. Am ersten, dritten und fünften Tag gibt es S3-Passagen, am sechsten Tag ein kurzes S4-Stück. Auf die ganze Woche gerechnet sind das nur wenige Kilometer, und Absteigen ist dort keine Schande. Bergauf sieht es anders aus. Gerade am ersten Tag gibt es Rampen, die an die dreißig Prozent heranreichen. Da schiebt jeder, egal wie fit er ist. Das solltest du wissen, bevor du am ersten Morgen in Oberstdorf losrollst.
Konditionell schenkt dir diese MTB Transalp Oberstdorf nichts. Weniger Hütten bedeutet nicht weniger Höhenmeter. Im Gegenteil: Wer im Tal schläft, startet unten und muss jeden Morgen erst einmal hoch. Fast jeder Tag hat einen langen Anstieg, einen Ruhetag gibt es nicht. Der Trailanteil ist moderat. Nach den erfassten Daten läuft grob ein Fünftel der Strecke über Wege und Pfade ohne Autoverkehr, ein großer Teil über Schotter- und Forstwege. Asphalt macht spürbar Kilometer, besonders am ersten Tag mit Abschnitten auf der Bundesstraße und am Gavia, wo du die Passstraße hochkurbelst. Das ist der Preis für die Linie über die Talorte. Im Vergleich zur Heckmair-Route fehlen dir das Original-Gefühl und das Tremalzo-Finale. Im Vergleich zu unserer Hüttenvariante fehlen die Abende am Berg und ein paar richtig gute technische Trails.
Meine Empfehlung ist klar: Nimm diese Route, wenn du konditionell gut vorbereitet bist, S2 sicher fährst und nach einem langen Tag lieber in einem Ort ankommst als auf einer Hütte. Sie passt gut als zweite Alpenüberquerung, für Gruppen mit gemischtem Fahrkönnen und für alle, denen guter Schlaf wichtiger ist als Hüttenromantik. Wer vor allem Trails sucht und S3 entspannt fährt, ist mit unserer Hüttenvariante besser bedient. Wer Alpencross-Geschichte nachfahren will, nimmt Heckmair. Wer zum ersten Mal mehrere harte Tage am Stück fährt, sollte ehrlich prüfen, ob die Grundlage reicht. Diese Route verzeiht fahrtechnisch einiges, konditionell aber nicht. Wenn du das mitbringst, bekommst du die großen Pässe zwischen Allgäu und Gardasee, ohne jeden Abend um ein Lager bangen zu müssen.







