Eine fordernde Südtiroler Runde zwischen Mendelkamm, Nonstal und Deutschnonsberg
Das Val di Non ist ein Juwel in der beeindruckenden Berglandschaft des Trentino in Norditalien. Und eine wahre Oase für Mountainbike-Enthusiasten, die auf der Suche nach einer Mehrtagestour abseits der bekannten Pfade sind. Das Val di Non ist bekannt für seine ausgedehnten Apfelhaine, die sich harmonisch in die robusten Konturen der Dolomiten einfügen. Das Tal bietet nicht nur atemberaubende Ausblicke, sondern auch eine Fülle von Trails, die sowohl technisch anspruchsvoll als auch landschaftlich reizvoll sind. Unsere Mehrtagestour erstreckt sich über vier Etappen und führt dich durch einige der spektakulärsten Teile des Tals.
Diese Tour beginnt und endet am selben Ort: Unsere Liebe Frau im Walde heißt auf Italienisch Senale, und genau dorthin rollst du nach vier Tagen zurück. Dazwischen liegt eine Schleife, die mich vor allem durch ihre Gegensätze überzeugt. Am ersten Tag führt dich die Route am Gantkofel vorbei zu ihrem höchsten Punkt des Tages, streift die Kematscharte und erreicht schließlich den Mendelpass, den klassischen Übergang zwischen Südtirol und dem Nonstal. Gleich zu Beginn des zweiten Tages wartet der Aussichtspunkt am Roen, der höchste Punkt der ganzen Runde, später das Fenner Joch. Dann wird es tiefer und ruhiger: Der dritte Tag bleibt unten im Nonstal und kommt am Lago di Santa Giustina vorbei, bevor du am letzten Tag über Clozner und Brezer Joch und vorbei am Löschteich der Laureiner Alm zurück in den Deutschnonsberg fährst. Genau dieser Wechsel aus Jochen und Talkultur macht für mich den Reiz aus. Du bleibst nicht tagelang in derselben Kulisse, sondern erlebst eine Region von oben bis unten.
Leicht ist diese Runde allerdings nicht. Jeden Tag kommen deutlich über tausend Höhenmeter zusammen, und die Steigungen sind kein gleichmäßiges Dahinkurbeln. Immer wieder gibt es kurze, sehr steile Rampen, auf denen auch gute Beine schieben; besonders der Auftakt des zweiten Tages hinauf Richtung Roen verlangt dir sofort viel ab. Technisch liegt die Tour insgesamt im S2-Bereich, also dort, wo Hindernisse und loser Untergrund saubere Linienwahl verlangen. Der zweite Tag bringt zudem einzelne S3-Passagen und mit Abstand die meisten Tiefenmeter, das fordert Konzentration und Hände bis zum Schluss. Der dritte Tag ist technisch deutlich entspannter, verlangt aber trotzdem ordentlich Kondition. Fahren solltest du diese Tour, wenn du mehrtägige Touren schon kennst, auch auf ruppigerem Untergrund sicher bleibst und kein Problem damit hast, nach einem anstrengenden Vormittag noch einmal bergauf zu fahren. Für Einsteiger ist das zu viel. Für ambitionierte Tourenfahrer, die abwechslungsreiche Strecken mögen, passt sie dagegen sehr gut.
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eMTB-Variante Bedingt eMTB-geeignet
Die Tour ist nur bedingt mit dem eMTB fahrbar. Abschnittsweise gibt es Schiebe- oder Tragepassagen, die mit dem eMTB nicht optimal sind. Oder entlang der Route befinden sich abschnittsweise wenige bis keine Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
Etappen-Details
01
Unsere Liebe Frau im Walde → Amblar-Don
Drei kräftige Anstiege, ein hoher Punkt und eine steile, technische Abfahrt.
32,3 km
↑ 1.465 hm · ↓ 1.045 tm
ø 8,2 % · Fahrtechnik S2
02
Amblar-Don → Maso Milano
Brutaler Steilstart, höchster Punkt der Tour, dann lange Abfahrten mit S3-Stellen.
41,9 km
↑ 1.376 hm · ↓ 2.878 tm
ø 8,4 % · Fahrtechnik S2
03
Maso Milano → Novella
Technisch entspannter Talltag mit Asphaltanteil, aber trotzdem kräftigen Gegenanstiegen.
35,9 km
↑ 1.581 hm · ↓ 1.131 tm
ø 7,8 % · Fahrtechnik S1
04
Novella → Senale
Langer Anstieg zurück in die Höhe, steile Schlussabfahrt nach Senale.
30,6 km
↑ 1.431 hm · ↓ 799 tm
ø 7,5 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Val di Non MTB-Mehrtagestour: Beste Reisezeit
Mein Zeitfenster für diese Runde reicht von Ende Juni bis Ende September. Die Tour erreicht an mehreren Tagen deutlich über 1800 Meter, am zweiten Tag sogar rund 2100 Meter. Dort oben können sich Schneefelder und nasse Böden bis in den Frühsommer halten, besonders auf schattigen Nordseiten.
Wenn du früh fährst, also im Juni, sind die Täler grün und die Tage lang, oben musst du aber mit Restschnee und weichen Wegen rechnen. Im Hochsommer wird es dagegen im Nonstal heiß. Die dritte Etappe bleibt komplett unter 1000 Metern und hat viel offenen Abschnitt zwischen Obstwiesen. Da lohnt sich ein früher Start. Der September ist für mich der schönste Monat: kühlere Luft, oft klare Sicht und im Tal die Apfelernte. Ende September und im Oktober werden die Tage kürzer, und auf den Hochlagen kann der erste Schnee kommen.
Tipps für deine Ankunft
Du kommst dorthin zurück, wo alles angefangen hat: Unsere Liebe Frau im Walde, auf Italienisch Senale, ein ruhiges Bergdorf in Deutschnonsberg. Der Ort liegt hoch über dem Nonstal, umgeben von Wald und Almwiesen, und ist bekannt für seine Wallfahrtskirche, der das Dorf seinen Namen verdankt.
Der letzte Tag endet mit einer steilen Abfahrt ins Dorf, nachdem du vorher noch einmal einen langen Anstieg in Richtung 1900 Meter hinter dich gebracht hast. Die Beine sind müde, der Kopf ist meistens noch im Abfahrtsmodus. Genau deshalb passt ein ruhiger Ausklang so gut. Statt sofort ins Auto zu steigen, würde ich das Rad abstellen, die Schuhe wechseln und langsam zur Wallfahrtskirche gehen. Nach vier Tagen Bewegung tut es gut, einfach in einem stillen Raum zu sitzen oder ein paar Schritte durch das Dorf zu gehen.
Mein persönlicher Tipp: Nimm dir danach noch eine Stunde Zeit für einen Kaffee oder ein spätes Mittagessen im Ort. Wenn das Wetter mitspielt, setz dich draußen hin und schau auf die Wälder, durch die du vor ein paar Tagen gestartet bist. Dann hast du die Runde wirklich geschlossen.
Val di Non mit dem Mountainbike: Mein Fazit
Diese Tour richtet sich an erfahrene Mountainbiker, die mehrere Tage hintereinander jeweils rund 1400 bis 1600 Höhenmeter fahren können und auf S2-Trails sicher unterwegs sind. Wer schon ein paar Alpentouren hinter sich hat und Abwechslung mehr schätzt als lange Hochgebirgspanoramen, ist hier richtig.
Am Aufbau mag ich vor allem zwei Dinge. Erstens ist die Runde wirklich geschlossen: Du brauchst keine Rückfahrt zu organisieren und startest und endest am selben Ort. Zweitens sind die Anforderungen gut verteilt. Der zweite Tag ist der höchste und technisch anspruchsvollste und hat mit fast 2900 Höhenmetern bergab die meiste Abfahrt. Der dritte Tag ist technisch einfacher, bleibt aber konditionell fordernd und bringt sogar die meisten Höhenmeter bergauf. Höhe, Technik und Kondition fallen also nicht auf denselben Tag.
Der Haken liegt in den sehr steilen Rampen. Am zweiten Tag beginnt der erste Anstieg direkt mit durchschnittlich rund 16 Prozent, an einzelnen Stellen sogar bis zu 30 Prozent. Auch an anderen Tagen gibt es kurze Stiche über 20 Prozent. Für viele bedeutet das Schieben, und das muss man mögen. Zusätzlich solltest du die einzelnen S3-Stellen nicht unterschätzen: Sie sind kurz, kommen aber nach einem harten Anstieg mit müden Beinen.
Mein Urteil: Eine ehrliche, gut durchdachte Runde, die dich ordentlich fordert und dafür einen echten Querschnitt durch Deutschnonsberg und Nonstal bietet. Wer die steilen Rampen akzeptiert, bekommt vier abwechslungsreiche Tage, die sich eher nach Entdeckung als nach Pflichtprogramm anfühlen.







