MTB Alpencross von Ischgl an den Comer See: zehn hochalpine Pässe, Engadiner Seen, moderate Trails und unzählige Erlebnisse
Dieser Alpencross Ischgl Comer See beginnt ohne Aufwärmen. Direkt aus Ischgl geht es steil hinauf zum Viderjoch, dem höchsten Punkt der ganzen Route. Es ist der härteste Anstieg der Tour, und er wartet am ersten Morgen. Oben hast du dir die erste Abfahrt verdient. Über den Enduro Trail und den Twinliner Trail geht es hinunter ins Tal. Danach rollst du ein gutes Stück auf Asphalt bis nach Scuol im Unterengadin. Ab hier beginnt das eigentliche Pässesammeln. Über die Fuorcla Funtana da S-charl kurbelst du hinüber ins Val Müstair. Am nächsten Tag folgt ein Höhepunkt auf den anderen: Ofenpass, Fuorcla del Gal, Lago di Livigno, Passo di Fraele, der Stausee von San Giacomo und zum Schluss der Passo Trela. So viel Pass- und Seenkulisse an einem einzigen Tag findest du selten. Genau für diesen Tag lohnt sich die Anreise.
Danach kommt der Tag mit dem höchsten Singletrail-Anteil. Über die Forcola di Livigno und die Fuorcla Minor geht es am Berninapass vorbei. Dann folgt eine lange, flache Abfahrt, und am Lej da Staz vorbei rollst du nach St. Moritz. An diesem Tag liegen auch die meisten ruppigen Passagen der Tour. Trotzdem bleibt die Route technisch moderat. Du fährst viel Schotter, viele gut fahrbare Trails und nur wenige verblockte Stellen. Für diese Tour brauchst du keine Enduro-Skills, aber gute Beine und Lust auf lange Tage im Hochgebirge. Wer Spitzkehren-Gemetzel und Downhill-Action sucht, ist hier falsch. Der letzte Tag ist dann ein anderes Kapitel. Über den Malojapass geht es hinunter ins Bergell und weiter an den Comer See. Das ist ein langer Rolltag mit viel Asphalt und wenig Trail. Dafür sitzt du am Abend nicht mehr auf einem Pass, sondern am Wasser.
Unterschätzen solltest du die Runde trotzdem nicht. Ich würde die Tour Leuten empfehlen, die schon Mehrtagestouren in den Bergen gefahren sind, sicher bremsen und lenken können und bei Bedarf auch einmal schieben. Für die allererste Alpenwoche würde ich sie nicht wählen, für eine zweite oder dritte dagegen sehr gern.
Alpencross Ischgl Comer See – Alle Informationen


GPX-TRACKS
Alle Etappen als GPX-Dateien, mit allen Wegpunkten, Übernachtungsempfehlungen u.v.m. Fürs Navi, für Komoot,
für dein Handy.
- Vollständige GPX-Tracks aller Etappen
- Sofort-Download nach dem Kauf
- Einmalzahlung. Kein Abo.
INKLUSIVE
Deine Tour liegt fertig im AI Outdoor Trip Planner.
Ein Klick nach dem Kauf: Etappen und Tracks sind schon angelegt. Plane Unterkünfte, An- und Abreise und Versorgung dazu. Kostenlos.
Mit dem e-MTB unterwegs?
eMTB-Variante eMTB-geeignet
Die Tour ist gut mit dem eMTB fahrbar. Die Wege sind durchgehend fahrbar, ohne nennenswerte Schiebe- oder Tragepassagen. Entlang der Route gibt es ausreichend viele Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
Etappen-Details
01
Ischgl → Scuol
Kaltstart mit langem Steilanstieg hoch hinaus, dann lange Abfahrt ins Unterengadin.
48,7 km
↑ 2.076 hm · ↓ 2.330 tm
ø 8,9 % · Fahrtechnik S1
02
Scuol → Val Müstair
Gleichmäßiger Aufbau, oben kurze ruppige Stellen, lange Abfahrt ins Val Müstair.
41,2 km
↑ 1.535 hm · ↓ 1.283 tm
ø 6,5 % · Fahrtechnik S1
03
Val Müstair → Teola
Der Kraftakt der Woche: viel Höhe, giftige Rampen, abwechslungsreiche Abfahrten.
51,5 km
↑ 2.003 hm · ↓ 1.499 tm
ø 6,5 % · Fahrtechnik S1
04
Teola → Sankt Moritz
Technisch anspruchsvollster Tag, viel Pfad und loser Untergrund bis St. Moritz.
48,6 km
↑ 1.267 hm · ↓ 1.308 tm
ø 5,9 % · Fahrtechnik S2
05
Sankt Moritz → Colico
Langer Ausrolltag aus dem Engadin hinunter an den Comer See.
89,7 km
↑ 765 hm · ↓ 2.409 tm
ø 2,8 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit
Das optimale Zeitfenster für den Alpencross Ischgl Comer See liegt zwischen Mitte Juli und Ende September. Der höchste Punkt liegt mit rund 2.700 Metern gleich am ersten Tag, und auch die folgenden Übergänge bewegen sich deutlich über zweitausend Metern. Diese Höhen sind in den Zentralalpen meist erst im Hochsommer gut fahrbar, eine Garantie gibt es dafür aber nicht.
Wenn du Anfang Juli startest, musst du auf Nordseiten noch mit Altschneefeldern und nassen, rutschigen Passagen rechnen, und gerade der steile Auftakt ab Ischgl wird dann schnell zur Schiebepartie. Ein Termin im September bringt oft klarere Luft und ruhigere Wege, dafür sind die Morgen in Scuol, im Val Müstair und in St. Moritz frisch, und die Tage werden kürzer. Am Comer See ist es zu dieser Zeit meist noch angenehm warm, was einen schönen Kontrast zum Hochgebirge bietet.
Tipps für deine Ankunft
In Colico bist du am oberen Ende des Comer Sees angekommen. Nach dem langen Downhill durchs Bergell gibt es nur eine sinnvolle Reihenfolge: erst ins Wasser, dann alles andere. Der Lido di Colico ist dafür der naheliegende Anlaufpunkt. Dort gibt es Liegewiese, Strand und Snackbars für das erste kalte Getränk. Bike abstellen, Schuhe aus, rein in den See. Deine Beine werden es dir nach dieser Tour danken. Plane den Nachmittag am See ein und nicht schon die Rückfahrt. Wenn es irgendwie geht, bleib eine Nacht in Colico. Dann genießt du die Ankunft wirklich, statt verschwitzt in den nächsten Zug zu hetzen.
Ich würde nicht lange in der Unterkunft sitzen bleiben. Duschen, frische Sachen anziehen, das Rad stehen lassen und zu Fuß ans Seeufer gehen. Wenn das Wetter mitspielt, spring kurz ins Wasser, das tut nach so vielen Abfahrtskilometern besonders den Beinen gut. Danach suchst du dir einen Platz an der Uferpromenade, bestellst ein Eis oder einen Aperitivo und schaust nach Norden, wo du hergekommen bist. Erst in diesem Moment wird dir richtig bewusst, wie weit dich diese fünf Tage getragen haben.
Mein Fazit zum Alpencross Ischgl Comer See
Der Alpencross Ischgl Comer See ist keine Trail-Granate und will auch keine sein. Seine Stärke ist die Dichte. Engadin, Val Müstair, die Seen um Livigno und die Bernina liegen so eng beieinander, dass fast jeder Tag nach echtem Hochgebirge schmeckt. Die Schwächen liegen an den Rändern. Der Auftakt verlangt Härte, bevor du überhaupt im Rhythmus bist. Der Schlusstag ist eher Anreise zum See als Bike-Tag, und auch sonst fährst du mehr Asphalt, als dir lieb sein wird. Passen wird die Tour zu Tourenfahrern mit solider Grundkondition, die lieber Pässe sammeln als Sprünge stehen. Wer zum ersten Mal über die Alpen will und die Beine dafür hat, bekommt hochalpine Kulisse ohne technischen Stress. Wer seine Wochenenden im Bikepark verbringt, wird sich unterfordert fühlen. Die Pässe machen diese Tour. Der See belohnt sie.
Trotzdem fällt mein Urteil klar positiv aus. Die Tour ist ehrlich in ihrer Anstrengung, bleibt technisch fair und endet an einem Ort, der sich wirklich wie ein Ziel anfühlt. Wer den Start ernst nimmt und auch den Schlusstag gut einplant, bekommt einen runden, abwechslungsreichen Alpencross mit Seeblick als Belohnung.







