Ein harter Alpencross vom Allgäu an den Gardasee mit Hüttennächten, Pässen und vielen Trail-Highlights
Von Oberstdorf nach Riva del Garda: Diese Alpenüberquerung folgt einer Idee, die Mountainbiker seit Jahrzehnten antreibt, und sie macht es dir nicht billig. Sieben Tage führen dich vom Allgäu durch Vorarlberg, das Paznaun und das Unterengadin nach Italien, durch die Hochtäler rund um Bormio und weiter Richtung Trentino bis an den Gardasee. Schon der erste Tag zeigt die Richtung: Am Schrofenpass vorbei und über das Stierlochjoch geht es hinauf, die Nacht verbringst du auf der Ravensburger Hütte statt im Tal. Am zweiten Tag liegt der Schwarzwasser See direkt am Weg, später kommen der Fimberpass und die Hängebrücke Punt Penduossa Sura in deine Nähe, bevor du auf der Friedrichshafener Hütte übernachtest. Eine weitere Hüttennacht wartet im Rifugio Val Fraele. Mich reizt dieser Wechsel aus Talorten, Straßen und Hüttenabenden ebenso wie die Höhe: Mehrfach kratzt du an der Marke von 2.600 Metern, und an mehreren Tagen trägt dich eine lange Abfahrt über tausend Tiefenmeter ins nächste Tal. Der letzte Tag verliert deutlich mehr Höhe, als er verlangt, und rollt dem See entgegen.
Ehrlich gesagt ist das keine Flowtrail-Woche. Die Abfahrten liegen meist im mittleren Bereich. Das heißt Wurzeln, Steine, lose Kehren und immer wieder ein kurzes Stück, das richtig verblockt ist. Wer sicher über Stufen fährt, hat seinen Spaß. Wer unsicher wird, schiebt eben ein paar Meter und verliert dabei nichts. Bergauf gibt es Rampen, die niemand mehr fährt. Dann wird geschoben, manchmal auch getragen. Dazu kommt Asphalt. Zwischen den Pässen rollst du auf Nebenstraßen, in Italien auch länger auf der Landstraße. Das gehört dazu, denn so verbindet die Route die guten Abschnitte, ohne dich in Sackgassen zu schicken. Was du wirklich brauchst, ist Grundlage. Die harten Tage kommen hintereinander, ein lockerer Erholungstag ist nicht eingeplant. Die Hütten solltest du früh reservieren, denn ohne Bett oben funktioniert die Etappe nicht. Am Ende rollst du hinunter nach Riva del Garda, und nach dieser Woche fühlt sich der See genau richtig an.
Alle Informationen zur Alpenüberquerung Oberstdorf–Gardasee


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Etappen-Details
01
Oberstdorf → Dalaas
Langes Einrollen auf Asphalt, dann ein brutal steiler Schlussanstieg über zweitausend Meter.
39,9 km
↑ 1.764 hm · ↓ 625 tm
ø 6 % · Fahrtechnik S3
02
Dalaas → Mathon
Hochalpiner Tag mit dem höchsten Übergang bisher und heikler Abfahrt ins Paznaun.
46,9 km
↑ 2.257 hm · ↓ 2.062 tm
ø 7,9 % · Fahrtechnik S2
03
Mathon → Scuol
Großer Anstieg, danach eine lange, abwechslungsreiche Abfahrt hinunter ins Engadin.
45,5 km
↑ 1.502 hm · ↓ 2.404 tm
ø 7,1 % · Fahrtechnik S2
04
Scuol → Valdidentro
Technisch der ruhigste Tag, aber konditionell keineswegs geschenkt.
49,9 km
↑ 2.136 hm · ↓ 1.431 tm
ø 6,4 % · Fahrtechnik S1
05
Valdidentro → Pezzo
Längste Etappe mit zwei langen Anstiegen, Dachpunkt der Tour und technischer Abfahrt.
59,6 km
↑ 2.358 hm · ↓ 2.728 tm
ø 6,7 % · Fahrtechnik S3
06
Pezzo → Palù
Sofort steil bergauf, dann eine riesige Abfahrt mit einzelnen sehr schwierigen Stellen.
58,1 km
↑ 2.096 hm · ↓ 2.167 tm
ø 8,4 % · Fahrtechnik S2
07
Palù → Riva del Garda
Ein letzter Anstieg, danach geht es in langen Abfahrten zum Gardasee.
57,1 km
↑ 1.685 hm · ↓ 3.106 tm
ø 6,6 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Alpenüberquerung Oberstdorf–Gardasee: Beste Reisezeit
Das optimale Zeitfenster für die Alpenüberquerung Oberstdorf–Gardasee liegt zwischen Mitte Juli und Ende September. Mehrere Etappen führen auf über zweitausendfünfhundert Meter, und auf der Alpennordseite können sich Schneefelder in schattigen Hängen bis weit in den Frühsommer halten. In diesen Wochen stehen deine Chancen am besten, dass die hohen Übergänge fahrbar oder zumindest gut schiebbar sind.
Ein früher Termin Anfang Juli bringt lange Tage und grüne Täler, aber eben auch das Risiko von Restschnee und nassen, rutschigen Passagen weit oben. Wer erst Ende September startet, erlebt oft klare Luft und ruhigere Wege, muss in der Höhe aber mit kalten Morgen, früher Dunkelheit und ersten Wintereinbrüchen rechnen. Dazu kommt, dass Unterkünfte und Hütten in den Hochlagen ihre Saison zum Herbst hin beenden können. Im Hochsommer wiederum sind Wärmegewitter am Nachmittag das Thema, das du ernst nehmen solltest.
Mein Planungstipp: Starte früh am Morgen, damit du die hohen Übergänge vor Mittag hinter dir hast. Prüfe vor der Abreise kurz die aktuellen Bedingungen in den Hochlagen.
Tipps für deine Ankunft
Riva del Garda liegt am Nordufer des Gardasees, eingerahmt von steilen Felswänden, die direkt aus dem Wasser aufsteigen. Die Altstadt mit ihren Gassen und dem Hafen ist kompakt, die Uferpromenade zieht sich weit am See entlang, und das Klima fühlt sich nach einer Woche im Hochgebirge fast schon südlich an.
Wenn du in Riva ankommst, fährst du zuerst ans Wasser. Das ist kein Kitsch, das ist Tradition. Am kleinen Hafen an der Piazza III Novembre mit dem Torre Apponale entsteht das Zielfoto, quasi das Gipfelkreuz der ganzen Woche. Danach ab in den See. Die Kiesstrände Richtung Osten, etwa die Spiaggia dei Sabbioni bei der Rocca, erreichst du vom Zentrum aus in wenigen Minuten, auch noch mit Bike und dreckigen Klamotten. Ein paar Züge im Gardasee spülen die Woche schneller aus den Beinen als jede Faszienrolle.
Alpenüberquerung Oberstdorf–Gardasee – Mein Fazit
Dieser Alpencross von Oberstdorf an den Gardasee ist für Leute gemacht, die beim Alpencross nicht die Woche im Sattel suchen, sondern die Woche in den Bergen. Die Hüttennächte sind der eigentliche Kern. Wer abends auf der Ravensburger Hütte oder im Val Fraele sitzt, erlebt die Alpen anders als im Talhotel mit Pool. Dafür zahlst du einen ehrlichen Preis. Die Tage sind lang, die Anstiege kommen ohne Pause, und manche Rampe nimmt dir das Rad schlicht aus der Hand. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern Charakter. Die Abfahrten sind die Belohnung, und sie sind großzügig verteilt. Besonders in der zweiten Wochenhälfte reihen sich lange Trails aneinander, bei denen du oben startest und erst Stunden später wieder ans Ausruhen denkst. Für mich ist das die Variante, die sich nach echtem Alpencross anfühlt.
Abraten würde ich drei Gruppen. Erstens allen, die ihre erste MTB-Alpenüberquerung planen und noch nicht wissen, wie sich der dritte harte Tag in Folge anfühlt. Zweitens allen, die bei verblockten Passagen grundsätzlich absteigen. Drittens allen, die nicht auf Hütten übernachten möchten. Ihr kommt zwar durch, aber ihr verschenkt den besten Teil der Tour. Wer dagegen schon eine Alpenüberquerung hinter sich hat und jetzt mehr Höhe, mehr Trail und weniger Komfort will, liegt hier richtig. Die Asphaltstücke nimmt man in Kauf, weil sie die guten Abschnitte sauber verbinden. Meine Empfehlung ist deshalb klar: Fahr diese Route, wenn du fit bist, sicher auf dem Bike stehst und Hütten mehr magst als Hotelbuffets. Der Gardasee ist danach kein Ziel mehr, sondern ein Beweis.
Ein weiterer Haken: Die Gesamtnote S2 täuscht ein wenig. Einzelne Abfahrten haben S3- und S4-Stücke, die du nicht immer im Vorfeld einschätzen kannst, und einige Anstiege haben Rampen mit über 30 %, bei denen Schieben unvermeidlich ist. Gleichzeitig gibt es spürbare Asphaltanteile, teils auf Bundes- und Landesstraßen, die Kilometer machen, aber wenig Freude.







