Sieben Tage, gewaltige Panoramen und eine hohe Dichte an Top-Trails: Dank clever genutzter Bergbahnen sparst du Körner für die spektakulärsten Abfahrten zwischen Ehrwald und Riva
Diese Transalp beginnt in Garmisch unter dem Wetterstein und endet am Nordufer des Gardasees. Dazwischen liegen sieben Tage, an denen du dich Tal für Tal nach Süden arbeitest und dabei eine extrem hohe Dichte an First-Class-Trails mitnimmst: über den Blindsee Trail im Inntal, hinüber ins Unterengadin, weiter nach Bormio und schließlich durch das Trentino hinunter nach Riva. Der Reiz liegt im Wechsel aus technischen Top-Trails und majestätischen Kulissen. Am ersten Tag rollst du nach dem Auftakt-Trail am Fernsteinsee vorbei. Später reiht sich ein Trail-Highlight an das nächste, z.B.: Zeblasjoch und Fimberpass auf dem Weg nach Scuol, Pass dal Fuorn und Fuorcla del Gal Richtung Livigno, wo die Route an den Ufern von Lago di Livigno und Lago di San Giacomo entlangführt. Das große Highlight steht in der Mitte der Woche. Von Bormio aus führt die Route an der Cima Bianca vorbei über die Dreitausendermarke, den höchsten Punkt der Reise. Danach folgen Passo dell’Alpe und der Passo di Gavia. Mich überzeugt, dass die Transalp Garmisch Gardasee nicht auf schnelle Kilometer setzt, sondern mit maximalem Trail-Anteil begeistert.
Das Geheimnis dieser Traildichte liegt im cleveren Einsatz von Bergbahnen und Bussen, die dir die schwersten Uphillpassagen abnehmen. Die Grubigsteinbahn in Lermoos, die Almbahn in Serfaus-Ladis vor dem legendären Frommes Trail, Postauto und Bergbahnen über Samnaun sowie die Bahnen in Bormio und Santa Caterina sparen jeweils viele tausend Höhenmeter. So bleiben die Körner frisch für die grandiosen Abfahrten. Dennoch hat die Woche ihren Preis: Trotz Lifthilfe sammelst du reichlich Höhenmeter. Fast jeden Tag geht es weit über 2.000 Meter, und manche Rampen erfordern Schiebestücke. Die technische Gesamtnote liegt im S2-Bereich, einzelne Passagen sind aber klar schwieriger. Wenn du dort unsicher bist, steigst du ab. Das ist keine Schande, sondern vernünftig.
Für wen ist diese Tour also gemacht? Für Bikerinnen und Biker, die maximale Trail-Ausbeute suchen, aber schon mehrere Tage am Stück im Gebirge unterwegs waren. Du solltest Abfahrten im Bereich S2 sicher beherrschen und an kurzen S3-Stellen ruhig bleiben, auch in großer Höhe und mit müden Armen. Wer bisher nur Forststraßen kennt, wird hier oft überfordert sein. Gleichzeitig musst du kein Enduro-Profi sein. Wichtiger als Bikepark-Skills ist die Bereitschaft, die Busse und Lifte als Teil des Plans zu nutzen, um die hohe Dichte an erstklassigen Singletrails zu ermöglichen.
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Die Tour ist gut mit dem eMTB fahrbar. Die Wege sind durchgehend fahrbar, ohne nennenswerte Schiebe- oder Tragepassagen. Entlang der Route gibt es ausreichend viele Lademöglichkeiten.
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Transalp Garmisch: Etappen-Details
01
Garmisch-Partenkirchen → Zammerberg
Erstes Trail-Highlight hinter Garmisch, dann über die Berge ins Tiroler Inntal. Bergbahn spart ca. 1.000 hm
72,0 km
↑ 1.966 hm · ↓ 1.721 tm
ø 5,2 % · Fahrtechnik S3
02
Zammerberg → Pfunds
Lange, flowige Trail-Abfahrt Richtung Pfunds. Bergbahn spart ca. 750 hm.
56,0 km
↑ 2.262 hm · ↓ 2.238 tm
ø 8,6 % · Fahrtechnik S1
03
Pfunds → Scuol
Trail-Highlights am Fließband mit hohem Übergang und langer Abfahrt hinunter ins Engadin. Bus & Bahn sparen ca. 2.200 hm
57,2 km
↑ 3.087 hm · ↓ 2.810 tm
ø 10,8 % · Fahrtechnik S2
04
Scuol → Bormio
Vom Engadin nach Bormio: atemberaubende Natur mit flowigen Spaßtrails. Mit dem Bus können 650 hm gespart werden.
64,8 km
↑ 2.211 hm · ↓ 2.244 tm
ø 5,9 % · Fahrtechnik S1
05
Bormio → Pezzo
Königsetappe: 3.000 Meter-Marke mit den Trail-Highlights der Tour. Bergbahnen sparen ca. 2.600 hm
43,1 km
↑ 3.392 hm · ↓ 3.034 tm
ø 18,4 % · Fahrtechnik S3
06
Pezzo → Palù
Früher Gipfel, sehr langer Top-Trail ins Val di Sole..
58,5 km
↑ 2.079 hm · ↓ 2.156 tm
ø 8,1 % · Fahrtechnik S2
07
Palù → Riva del Garda
Letzter Anstieg, dann lange Abfahrten bis an den Gardasee nach Riva.
56,8 km
↑ 1.512 hm · ↓ 2.935 tm
ø 6,2 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit
Mein Tipp für diese Transalp Garmisch ist das Fenster von Mitte Juli bis Ende September. Der Grund liegt in den Höhenlagen: Gleich mehrere Etappen führen weit über 2.000 Meter, und der höchste Punkt liegt bei rund 3.000 Metern. Dort oben hält sich Altschnee oft bis in den Sommer, und in Rinnen oder auf Nordseiten kann er auch später noch liegen.
Ein früher Termin Ende Juni klingt verlockend, weil die Täler grün und die Tage lang sind. Gerade die hohen Übergänge rund um Scuol und Bormio können dann aber noch verschneit oder matschig sein, und manche Hütte hat vielleicht noch nicht geöffnet. Ein später Termin Ende September bringt oft klare Luft und ruhigere Wege. Dafür werden die Tage kürzer, Neuschnee in großer Höhe ist möglich, und die Morgen sind spürbar kalt. Am Gardasee ist es dann noch angenehm, auf der Königsetappe dagegen brauchst du warme Schichten.
Im Hochsommer solltest du vor allem auf Gewitter achten. Starte früh, damit du die hohen Passagen am Mittag hinter dir hast. Informiere dich vor der Abreise und unterwegs über Schneelage, Wetter und Wegzustand, besonders vor den Tagen nach Scuol und nach Pezzo.
Tipps für deine Ankunft
Riva del Garda ist nach sieben Tagen Gebirge ein kleiner Kulturschock, im besten Sinne. Du rollst von den Bergen hinunter, und plötzlich stehen Palmen am Ufer, Windsurfer kreuzen auf dem See, und überall riecht es nach Sonnencreme. Mein erster Programmpunkt ist immer derselbe: Bike kurz abstellen, Klamotten aus und rein ins Wasser. Am Ufer zwischen Riva und Torbole findest du genug Stellen, an denen du direkt vom Kiesstrand in den See gehen kannst. Danach schmeckt das erste Bier besonders gut. Bars gibt es in der Altstadt und am Seeufer reichlich, nimm dir einfach die Zeit, eine auszusuchen. Gut zu wissen: Riva ist seit Jahrzehnten ein Treffpunkt für Mountainbiker, du bist mit deinem verschwitzten Trikot hier also in bester Gesellschaft.
Zum Aperitif zieht es die meisten an den Hafen und auf die Piazza unter dem Torre Apponale, dem Uhrturm der Altstadt. Ein Spritz oder ein kühles Bier mit Blick auf den See ist hier fast schon Pflicht für alle Transalp-Finisher. Wenn du etwas Regionales probieren willst, frag nach Wein aus dem Trentino, etwa einem Nosiola oder einem Teroldego. Beim Abendessen lohnt sich Carne salada, das gepökelte Rindfleisch ist eine Spezialität der Gegend. Dazu passen Gerichte mit Fisch aus dem See und das milde Olivenöl vom Gardasee. Nach einer Woche mit Energieriegeln und Hüttenkost darf es ruhig eine große Portion Pasta werden.
Wenn du noch einen Tag bleibst, empfehle ich dir die alte Ponale-Straße oberhalb des Westufers. Sie ist bei Bikern beliebt, weil sie mit Tunneln und Felskanten spektakulär über dem See hängt, ohne technisch viel zu verlangen. Ideal zum Ausrollen mit müden Beinen. Wer lieber gar nicht mehr aufs Rad will, spaziert am Abend durch die engen Gassen der Altstadt und lässt die Woche bei Sonnenuntergang am Ufer ausklingen.
Transalp Garmisch Gardasee: Mein Fazit
Diese Tour richtet sich an erfahrene Enduro-Biker, die eine Transalp mit Hochgebirgscharakter und maximaler Traildichte suchen. Und dabei die Nutzung von Bergbahnen und Bussen nicht als Schwäche, sondern als probates Mittel zum Zweck verstehen. Mich überzeugt vor allem der sehr hohe Anteil an Top-Trails. Statt die Alpen nur über ein paar Trails zu queren, nimmt die Route gezielt die besten Trails entlang der Route mit. Das gibt der Woche Struktur: Die Tage nach Pfunds und nach Bormio sind lang, aber vergleichsweise gut fahrbar, und der Abschlusstag nach Riva verwöhnt dich mit viel mehr Abfahrt als Anstieg. Du kommst also nicht völlig zerstört am See an, sondern rollst mit einem echten Finale hinunter.
Wenn du alle empfohlenen Lift- und Busverbindungen nutzt, ist die Transalp Gardasee konditionell kein dicker Brocken. Du kannst die ein oder andere Verbindung selbst fahren, aber manche sind unausweichlich; Zum Beispiel in Bormio oder Samnaun. Technisch liegt die Gesamtnote bei S2, doch der erste Tag und die Königsetappe haben S3-Passagen, und kurz vor Palù wartet ein knackiges Stück darüber. Der Haken der Transalp Garmisch ist für mich nur die Nutzung von Liften und Bussen, was nicht jedem gefällt.
Mein Urteil: Wer genug Erfahrung mitbringt und die Nutzung einer Bergbahn nicht als Schwäche, sondern als Teil des Abenteuers sieht, bekommt eine der besten Trail-Alpenüberquerungen von Garmisch an den Gardasee. Ich würde sie Einsteigern nicht empfehlen, erfahrenen Alpencrossern dagegen ausdrücklich.







