Vom Reschensee bis Latsch hinunter, aber jeden Tag erst kräftig bergauf: eine Vinschgau-Tour mit Hochlagen, steilen Rampen und feinsten Singeltrails
Diese Tour beginnt dort, wo der Vinschgau seinen Anfang nimmt: in Graun am Reschensee, ganz oben im Westen Südtirols. In drei Tagen arbeitest du dich talwärts bis nach Latsch, und gerade dieser Weg macht den Reiz aus. Unterm Strich verlierst du mehr Höhe, als du gewinnst, geschenkt bekommst du trotzdem nichts. Jeder Tag führt dich erst einmal kräftig nach oben, zweimal über die Zweitausendermarke. Schon am ersten Tag liegt der Plamortboden direkt an der Route, eine Hochfläche als Aussichtspunkt über dem Reschenpass, bevor dich die Strecke später noch einmal ans Ufer des Reschensees bringt. Am zweiten Tag führt der höchste Abschnitt dicht an der Spitzigen Lun vorbei, und zum Schluss rollst du über den Holy Hansen Trail und den Aigen Trail Richtung Latsch. Mich überzeugt, dass die Route nicht stur dem Talradweg folgt. Sie sucht immer wieder die Hänge, verbindet offene Hochlagen mit dem trockenen Talboden und schiebt dich Tag für Tag ein Stück weiter nach Osten.
Die Gesamtnote S1 klingt entspannter, als die Tour ist. Auf allen drei Etappen warten lange Anstiege mit mehreren hundert Höhenmetern am Stück, dazu einzelne sehr steile Rampen, auf denen kurzes Schieben völlig normal ist. Die Wege wechseln zwischen Asphalt, Schotter, Naturwegen und Pfaden, auf einigen Abschnitten auch mit losem Untergrund. Technisch liegen manche Passagen deutlich über der Gesamtnote, am ersten Tag sogar mit kurzen S3-Stücken, während die beiden folgenden Etappen insgesamt mit S2 eingestuft sind. Konditionell ist der zweite Tag der dickste Brocken, weil er die meisten Höhenmeter, einen langen Hauptanstieg und die steilste Rampe der Tour vereint. Dort solltest du auch beim Wasser vorausschauend planen und lieber eine Flasche mehr mitnehmen. Die Tour passt zu dir, wenn du regelmäßig mehrere Stunden mit viel Höhe im Sattel sitzt und dich auf steilen, teils losen Abfahrten sicher fühlst. Absteigen ist erlaubt, wenn ein Stück zu heikel wird. Ein gut gewartetes Fully mit leichter Übersetzung macht dir die drei Tage deutlich angenehmer.
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eMTB-Variante eMTB-geeignet
Die Tour ist gut mit dem eMTB fahrbar. Die Wege sind durchgehend fahrbar, ohne nennenswerte Schiebe- oder Tragepassagen. Entlang der Route gibt es ausreichend viele Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
Etappen-Details
01
Curon Venosta → Planeil
Zwei Anstiege, höchster Punkt der Tour und die technisch kniffligsten Abfahrtsmeter.
34,9 km
↑ 1.613 hm · ↓ 1.526 tm
ø 8,6 % · Fahrtechnik S1
02
Planeil → Lasa
Längster, härtester Tag: steiler Hauptanstieg, viel Pfad, Wasser vorausschauend planen.
38,0 km
↑ 1.912 hm · ↓ 1.954 tm
ø 9 % · Fahrtechnik S2
03
Lasa → Latsch
Ein langer Aufstieg, danach mit viel Gefälle hinunter nach Latsch.
39,6 km
↑ 1.374 hm · ↓ 2.189 tm
ø 8,3 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit
Mein Tipp für diese Tour ist das Fenster von Ende Mai bis Ende Oktober. Der Vinschgau gehört zu den trockensten und sonnigsten Tälern der Alpen. Unten im Tal kann man oft schon im Frühjahr radeln. Entscheidend sind hier aber die hohen Passagen an den ersten beiden Tagen mit rund 2.300 bis knapp 2.400 Metern. Dort hält sich Schnee länger, und in Nordhängen liegen manchmal bis in den Frühsommer Altschneefelder.
Startest du früh im Mai, wirkt das Tal grün und frisch. Oben musst du aber eher mit nassen, aufgeweichten Abschnitten und Schneeresten rechnen. Im Hochsommer sind die Höhen meist am zugänglichsten. Dafür kann es im Talboden heiß werden, und am Nachmittag bauen sich gerne Gewitter auf. Der September ist oft mein Favorit: klarere Luft, angenehmere Temperaturen und im Tal beginnt die Apfelernte. Ab Oktober werden die Tage kürzer, und in der Höhe ist früher Schnee möglich.
Tipps für deine Ankunft
Latsch liegt im unteren Vinschgau am Talboden der Etsch, umgeben von Obstwiesen und eingerahmt von steilen Hängen. Der Ort ist kein großes Touristenzentrum, sondern ein lebendiges Dorf mit gewachsenem Kern. Hier fühlt sich das Ankommen nach drei Bergtagen bodenständig und ruhig an. Die Rückreise organisierst du bequem per Vinschger-Bahn bis Mals und weiter mit dem Bus bis Reschen.
Mein Vorschlag für den ersten Programmpunkt: Bike abstellen, im Café Helene in Latsch Eis essen und Abends in den legendären Bierkeller in Latsch.
Mein Fazit
Diese Tour richtet sich an konditionsstarke Bikerinnen und Biker, die mehrere Tage mit viel Höhe am Stück fahren können. Technisch solltest du sicherer unterwegs sein, als die Gesamtnote S1 vermuten lässt. Wer bisher vor allem Forststraßen kennt, sollte vorher auf S2-Gelände üben.
Mich überzeugt die klare Grundidee: vom Reschensee in drei Etappen talwärts bis Latsch, mit insgesamt rund 5.700 Metern bergab bei knapp 4.900 Metern bergauf. Trotzdem wird es nie zu einer bloßen Abfahrt, denn jeder Tag hat seinen großen Anstieg mit rund 700 bis 800 Höhenmetern am Stück. Spannend finde ich, wie sich die Anforderungen verteilen. Die größte Höhe und die technisch heikelsten Meter mit kurzen S3-Stücken liegen am ersten Tag. Konditionell am härtesten ist der zweite Tag mit seiner Länge und Rampen von über dreißig Prozent. Der dritte Tag bleibt tiefer und gönnt dir am Ende eine lange Abfahrt ins Tal.
Der Haken: Die Tour ist kaum dosierbar. Schon der erste Tag fordert dich sofort mit Höhe und Technik, ein sanftes Einrollen gibt es nicht. Am zweiten Tag kommen Länge, Steilheit und eine vorausschauende Wasserplanung zusammen. Wer da müde oder unsicher ist, hat wenige bequeme Auswege.
Mein Urteil: eine starke, ehrliche Vinschgau-Durchquerung, die das Tal von seinen Hängen aus erschließt statt vom Talradweg. Für gut trainierte Fahrer mit solider Technik ist sie eine sehr lohnende Dreitagestour. Für Einsteiger ist sie zu fordernd, für alle anderen ein Grund, früh aufzustehen.







