Fünf Tage an der Dreitausendergrenze rund um den Ortler: viel Höhe, harte Anstiege und lange, hochalpine Traum-Trails
Diese Ortler MTB Mehrtagestour hat ein einziges Thema: die besten hochalpinen Singletrails in einer Tour. Und, fast jeden Tag kratzt du an der Dreitausendermarke. Oben am Piz Umbrail, an der Cima Bianca, am Passo Zebrù und am Madritschjoch. Danach geht es jedes Mal lange bergab. Genau dafür fährst du hier. Die Route startet im Val Müstair und endet in Mals im Vinschgau. Dazwischen liegt die Bergwelt rund um Ortler und Stilfser Joch. Du wechselst von der Schweiz in die Lombardei und weiter in den Vinschgau nach Südtirol. Das ist kein klassischer Alpencross von Nord nach Süd. Start und Ziel liegen nah beieinander, bzw. lassen sich als Rundtour schließen. Die Tour sammelt keine Strecke, sie sammelt Singletrails! Postauto, Bus und Bergbahnen bringen dich an mehreren Stellen nach oben. Das spart Kraft für das, was zählt: die Abfahrten. Und die haben es in sich. Hochalpine Trails, lange Talabfahrten und bekannte Namen wie der Tibet Trail direkt vom Stilfser Joch, Bormio 3000 und der Holy Hansen Trail im Vinschgau.
Die Lifte machen die Tour nicht leicht. Sie machen sie erst möglich. Auch mit Unterstützung bleiben lange, steile Anstiege, die du selbst treten musst. An den steilsten Rampen wird geschoben. Der Untergrund oben ist oft lose. Für die MTB Mehrtagestour Ortler brauchst du sichere Linienwahl auf verblocktem Gelände und in engen Kehren. Wer auf flowige Bikepark-Lines hofft, ist hier falsch. Es gibt auch Asphalt und Straßenstücke, die einfach Verbindung schaffen. Das gehört zu einer Route, die so hoch hinaus will. Wichtiger ist das Wetter. Auf dieser Höhe schlägt es schnell um, und oben gibt es wenig Schutz. Du solltest also früh starten, ehrlich planen und im Zweifel umdrehen. Dafür bekommst du etwas, das nur wenige Touren liefern: Tag für Tag Gipfelluft und Abfahrten, die bis tief ins Tal reichen. Wenn du auf technischen Trails sicher unterwegs bist und auch verblockte Stellen nicht scheust, ist das dein Projekt.
Der zweite Tag ist konditionell der härteste Brocken, der vierte bringt den höchsten Punkt und den größten Anteil an S3-Passagen. Auch der Schlusstag über Göflaner Schartl und Kreuzjöchl ist kein Ausrollen, sondern verlangt noch einmal einen langen Anstieg und technische Stücke. Insgesamt bewegst du dich viel im Bereich S2, also dort, wo Stufen, loser Untergrund und enge Kurven saubere Bremskontrolle verlangen. Etwas Luft verschaffen dir das Postauto zum Umbrailpass, die Bergbahnen am zweiten Tag und in Sulden sowie der optionale Bus zum Stilfser Joch. Mein Tipp: Plane diese Hilfen bewusst ein, statt sie als Schwäche zu sehen. Die Tour richtet sich an erfahrene Alpencrosser mit solider Grundlagenausdauer, guter Höhenverträglichkeit und sicherer Technik im anspruchsvollen Gelände. Klares Nein für Einsteiger.
Alle Informationen zur MTB Mehrtagestour Ortler


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eMTB-Variante Nicht eMTB-geeignet
Diese Tour empfehlen wir nicht für das eMTB. Längere Schiebe- und Tragepassagen und fehlende Lademöglichkeiten auf einzelnen Etappen machen sie mit dem schweren Rad unpraktikabel. Deshalb bieten wir hierfür keinen eMTB-Track an.
Etappen-Details
01
Val Müstair → Bormio
Langer Auftakt mit Schweizer Postauton bis knapp unter dreitausend Meter, dann steil hinab Richtung Bormio.
56,3 km
↑ 2.206 hm · ↓ 2.377 tm
ø 8,1 % · Fahrtechnik S2
02
Bormio → Valfurva
Der härteste Konditionstag: extrem steile Anstiege, lose Wege, knappe Wasserstellen, trotz Bergbahnen.
42,9 km
↑ 4.077 hm · ↓ 2.591 tm
ø 18,1 % · Fahrtechnik S2
03
Valfurva → Stelvio
Früh hoch hinaus, dann lange Abfahrt und ein gleichmäßiger Schlussanstieg. Bus-Transfer möglich.
47,5 km
↑ 2.518 hm · ↓ 2.433 tm
ø 10,1 % · Fahrtechnik S2
04
Stelvio → Meiern
Bergbahn-Unterstützung. Höchster Punkt der Woche und die technisch anspruchsvollsten Abfahrten bis S3.
50,6 km
↑ 2.054 hm · ↓ 3.522 tm
ø 10,1 % · Fahrtechnik S3
05
Meiern → Mals
Ein knackiger Anstieg, zwei steile Abfahrten, dann entspannt hinaus nach Mals.
43,8 km
↑ 1.480 hm · ↓ 1.794 tm
ø 5,3 % · Fahrtechnik S3
Bilder




Beste Reisezeit
Mein Tipp für diese Tour ist das Fenster von Mitte Juli bis Ende September. Du bewegst dich an mehreren Tagen um rund dreitausend Meter, am vierten Tag sogar darüber. In dieser Höhe halten sich Schneefelder oft bis weit in den Sommer, und gerade an schattigen Nordhängen können sie steile Passagen unfahrbar oder beim Tragen unangenehm machen.
Ein früher Termin Anfang Juli bringt lange Tage und grüne Täler, aber eben auch das größere Risiko für Altschnee in den Hochlagen. Im Hochsommer sind Nachmittagsgewitter das Thema, gerade an exponierten Übergängen ohne schnelle Rückzugsmöglichkeit. Ein später Termin im September bietet oft klarere Luft und ruhigere Wege, dafür werden die Tage kürzer, die Morgen frostig, und erste Wintereinbrüche sind in dieser Höhe jederzeit möglich.
Plane deshalb mit frühen Starts, vor allem am zweiten und vierten Tag, damit du die höchsten Stellen hinter dir hast, bevor sich Quellwolken auftürmen. Ein Puffertag im Plan nimmt Druck raus, falls das Wetter nicht mitspielt. Kurz vor der Abreise lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Schnee- und Wegverhältnisse in der Ortlerregion.
Tipps für deine Ankunft
Mals liegt im oberen Vinschgau, auf einer sonnigen Terrasse am Rand der weiten Malser Haide. Der Ort ist bekannt für seine vielen Türme, die das kleine Zentrum prägen, und für seine Lage am Endpunkt der Vinschgaubahn. Nach Tagen zwischen Geröll und Gletscherblick ist das ein Ort mit gewachsenem Dorfcharakter, der dich ohne großes Getöse empfängt.
Kümmer dich am besten zuerst ums Bike. Einen öffentlichen Waschplatz habe ich in Mals nicht gefunden. Frag deshalb gleich beim Einchecken nach Schlauch, Werkzeugecke und abschließbarem Bikeraum. Nach diesen Tagen auf losem Hochgebirgsschotter verdient das Rad einen kritischen Blick auf Beläge, Reifen und Schaltauge. Am Bahnhof sitzen die Verleihstationen von Südtirol Rad und Papin Sport. Ruf dort vorher an, wenn du etwas Bestimmtes brauchst. Danach heißt es: duschen, Beine hoch, erst mal nichts mehr bergauf.
Am Abend reicht ein lockerer Spaziergang durch den Ort. Mals ist das Dorf der Türme. Am auffälligsten ist der Fröhlichsturm, der Rest einer verfallenen Burg. Wer noch Lust auf eine kleine Runde hat, rollt hinunter nach Glurns, die kleinste Stadt Südtirols. Komplett ummauert, mit Tortürmen und Laubengasse. Ohne Bike fährt der Citybus 274 von Mals dorthin. Am Stadtplatz bekommst du im Gasthaus Zum Grünen Baum hausgemachtes Eis, und das Restaurant Flurin sitzt im ehemaligen Gefängnis und Gerichtsgebäude. Das ist die perfekte Belohnung nach dem letzten Trail. Wer am nächsten Tag noch bleibt, schaut sich das Kloster Marienberg an, das weiß über Burgeis thront. Die Beine danken es dir, der Kopf auch.
MTB Mehrtagestour Ortler – Mein Fazit
Mission 3000 ist eine MTB Mehrtagestour am Ortler mit klarer Idee, und genau das mag ich an ihr. Jeder Tag hat ein Ziel ganz oben und eine lange Singletrail Abfahrt danach. Die Aufstiegshilfen sind kein Schummeln, sondern Konzept. Ohne sie wäre diese Linie über so viele hohe Übergänge kaum fahrbar. Trotzdem ist die Tour kein Liftkarten-Urlaub. Die Eigenanstiege sind lang und steil, und an einigen Rampen schiebst du, ob du willst oder nicht. Die Asphaltstücke sind Mittel zum Zweck, nicht schön, aber ehrlich. Technisch steigt die Kurve in der zweiten Hälfte. Wer die ersten Tage locker wegsteckt, sollte sich trotzdem nicht in Sicherheit wiegen. Der Bormio 3000 und Tibet Trail verlangen saubere Technik, auch mit müden Beinen.
Für wen also? Für Biker, die schon ein paar Alpencrosse in den Beinen haben und jetzt nicht mehr Kilometer wollen, sondern möglichst viele technische, hochalpine Singletrails in einer MTB-Mehrtagestour am Ortler. Und dafür auch mal schieben. Nicht für dich ist die Tour, wenn du durchgehend Flow willst oder auf Schotterpisten am wohlsten bist. Auch wer bei verblockten Stellen regelmäßig absteigt, wird hier mehr tragen als fahren. Meine Empfehlung: Fahr sie, wenn du dich auf S2-S3 Niveau technisch sicher fühlst und Höhe dich mehr reizt als Distanz. Plane Puffer für schlechtes Wetter ein. Und nimm sie ernst. Am Ende zählt nicht, wie weit du gekommen bist, sondern wie oft du oben warst.
Mein Gesamturteil: eine fordernde, ehrliche Tour mit starkem Hochgebirgscharakter, die Erfahrung voraussetzt und sie auch belohnt. Wenn du gut vorbereitet bist, den Schiebeanteil akzeptierst und dein Wetterfenster klug wählst, würde ich sie jedem empfehlen, der die Ortlerregion abseits der Straßen erleben will.

