Vom Rheintal nach Interlaken: Diese Tour verbindet zwei Welten, die man selten am Stück erlebt
Der MTB Alpencross Bodensee startet in Diepoldsau im flachen St. Galler Rheintal, direkt an der Grenze zu Vorarlberg. Sechs Tage später rollst du in Interlaken zwischen Thuner- und Brienzersee aus. Dazwischen fährst du einmal quer durch die Schweizer Voralpen und Alpen, von Amden über dem Walensee über das Muotatal, das Urner Reusstal und das Haslital bis nach Grindelwald. Mir gefällt, dass jeder Tag in einer anderen Talschaft endet. Du drehst keine Runden um ein Bikeresort, sondern kommst wirklich von Ost nach West voran. Das gibt der Woche einen klaren Sinn: Jeder Pass bringt dich spürbar weiter, und am Abend wartet eine neue Bergkulisse. Schon der erste Tag zeigt das Prinzip. Über den Risipass und die Vorder Höhi verlässt du das Rheintal und erreichst Amden. Wer das Gefühl einer echten Reise mit dem Bike sucht, findet genau hier den größten Reiz dieser Route.
Die Höhepunkte verteilen sich über die ganze Woche, und viele davon sind Seen und Pässe direkt an der Route. Am zweiten Tag startest du am Walensee, kommst am Längeneggpass vorbei, rollst am Klöntalersee entlang und passierst den Pragelpass auf dem Weg ins Muotatal. Danach führt die Route am Chinzig Chulm vorbei und anschließend in einer langen Abfahrt hinunter zum Vierwaldstättersee. Am vierten Tag geht es über den Surenenpass, unweit vom Blüemlisalpfirn, später vorbei an Trüebsee, Jochpass und Engstlensee. Im Berner Oberland reihen sich Tannensee, Schonegg und die Grosse Scheidegg aneinander, bevor du in Grindelwald ankommst. Den Abschluss bilden Bachalpsee, Bachlägerwasserfall und Kleine Scheidegg. Der höchste Punkt der Tour liegt am letzten Tag nahe dem Bachalpsee, und danach folgt die größte Bergab-Bilanz der Woche bis hinunter nach Interlaken. Wichtig für deine Planung: Die Tour mischt Nebenstraßen und Forstwege mit Pfaden. Vor allem am ersten Tag gehört spürbar viel Asphalt dazu. Wer sechs Tage Singletrail erwartet, wird enttäuscht. Hier geht es um die große Linie, um Höhenmeter und um einige fordernde Abfahrten.
Genau diese Mischung bestimmt, für wen die Tour passt. Konditionell ist sie anspruchsvoll: Rund 13.000 Höhenmeter auf gut 300 Kilometern bedeuten im Schnitt mehr als 2.000 Höhenmeter pro Tag. Dazu kommen teils sehr steile Rampen, gerade auf der kurzen Etappe über den Surenenpass. Der härteste Konditionstag ist die Etappe vom Muotatal nach Attinghausen mit zwei langen Anstiegen. Technisch liegt die Tour insgesamt im Bereich S2. Einzelne Abschnitte erreichen S3, und zwar auf mehreren Etappen, nicht nur an einem Tag. Du solltest also steile, anspruchsvolle Trails sicher fahren können und kein Problem damit haben, kurze Passagen zu schieben oder zu tragen. Höhe, Kondition und Technik fordern dich dabei an unterschiedlichen Tagen, du brauchst also über die ganze Woche Reserven. Ideal ist die Route für erfahrene Tourenbiker, die schon mindestens einen mehrtägigen Alpencross gefahren sind und ihre Kräfte gut einteilen können. Ein vollgefedertes Tourenbike mit guten Bremsen und leichtem Gepäck ist hier die richtige Wahl.
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Die Tour ist gut mit dem eMTB fahrbar. Die Wege sind durchgehend fahrbar, ohne nennenswerte Schiebe- oder Tragepassagen. Entlang der Route gibt es ausreichend viele Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
MTB Alpencross Bodensee – Etappen-Details
01
Diepoldsau → Amden
Vom Rheintal hinauf auf den Sonnenbalkon über dem Walensee.
67,0 km
↑ 2.399 hm · ↓ 1.525 tm
ø 5,4 % · Fahrtechnik S1
02
Amden → Muotathal
Steile Rampen und die technisch kniffligsten Abfahrten hinunter ins Muotatal.
54,7 km
↑ 1.950 hm · ↓ 2.571 tm
ø 6,6 % · Fahrtechnik S3
03
Muotathal → Attinghausen
Der härteste Konditionstag: zweimal lange und steil hinauf, dazwischen ins Reusstal.
45,5 km
↑ 2.960 hm · ↓ 1.800 tm
ø 9,5 % · Fahrtechnik S2
04
Attinghausen → Innertkirchen
Kurz, aber brutal steil, mit langer Abfahrt und S3-Stellen ins Haslital.
32,2 km
↑ 1.718 hm · ↓ 1.701 tm
ø 13,4 % · Fahrtechnik S2
05
Innertkirchen → Grindelwald
Viel Pfad, lange Abfahrt und der große Schlussanstieg Richtung Eiger.
54,9 km
↑ 2.663 hm · ↓ 2.336 tm
ø 7,7 % · Fahrtechnik S2
06
Grindelwald → Interlaken
Höchster Punkt der Woche, dann flowige und fordernde Abfahrten nach Interlaken.
47,7 km
↑ 1.479 hm · ↓ 3.083 tm
ø 7,9 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit für den Alpencross Bodensee – Schweiz
Mein Zeitfenster für diese Tour liegt zwischen Anfang Juli und Ende September. Die Route führt ab Bodensee an mehreren Tagen über die 2.000-Meter-Marke, der höchste Punkt liegt bei rund 2.300 Metern. In diesen Höhen halten sich Schneefelder an Nordhängen oft bis in den Frühsommer, und die Talorte wie Diepoldsau oder Interlaken täuschen gern einen Sommer vor, der oben noch nicht angekommen ist.
Fährst du früh im Juni, hast du lange Tage und saftig grüne Alpweiden, musst aber mit Altschnee, nassen Pfaden und noch nicht bewirtschafteten Alpen rechnen. Gerade auf den steilen, technischen Abfahrten ist das kein Spaß. Der Hochsommer bringt die besten Chancen auf trockene Wege, dafür auch Gewitter am Nachmittag und mehr Wanderer rund um Grindelwald. Früh starten lohnt sich dann doppelt.
Mein persönlicher Favorit ist die Zeit ab Ende August. Die Luft wird klarer, die Fernsicht auf die Berner Alpen ist oft hervorragend, und auf den Pfaden wird es ruhiger. Ab Mitte September werden die Tage kürzer und erste Wintereinbrüche in der Höhe sind möglich. Prüfe vor der Abreise in jedem Fall die aktuellen Wetter- und Wegverhältnisse.
Tipps für deine Ankunft
Interlaken liegt auf dem Bödeli, der flachen Ebene zwischen Thuner- und Brienzersee. Für dich heißt das: Nach der letzten großen Abfahrt rollst du entspannt durch den Ort, und alles Wichtige liegt nah beieinander. Orientier dich an den beiden Bahnhöfen Interlaken West und Interlaken Ost, dazwischen verläuft die Hauptachse mit der großen Wiese der Höhematte. Mein erster Programmpunkt nach dieser Woche: Bike abstellen, auf die Höhematte setzen und hinüber zur Jungfrau schauen. Du hast dir diesen Blick über sechs Tage erarbeitet, also nimm dir zehn Minuten dafür, bevor du ans Duschen denkst. Gegen den ersten Hunger helfen die Supermärkte rund um die Bahnhöfe: eine kalte Rivella, ein Stück Käse und ein Nussgipfel sind der klassische Schweizer Recovery-Snack.
Für Eis und Aperitif zieht es mich an die Aare, die mitten durch den Ort fließt. Am Ufer sitzt du ruhiger als an der Flaniermeile, und mit einem kühlen Bier oder einem Glas Weißwein aus der Schweiz lässt sich die Tour gut nachbesprechen. Baden würde ich in der Aare hier nur, wenn du die Strömung wirklich einschätzen kannst, für müde Beine ist ein Sprung in einen der Seen die entspanntere Wahl. Beim Abendessen darf es nach dieser Woche deftig sein: Rösti, Älplermagronen mit Apfelmus oder ein Käsefondue füllen die Speicher zuverlässig. Interlaken ist touristisch, frag also ruhig andere Biker oder Einheimische nach ihrer Lieblingsadresse, statt die erste Terrasse an der Hauptstraße zu nehmen.
Wenn du noch einen Tag Zeit hast, lohnt der Blick von oben. Die Standseilbahn auf den Harder Kulm bringt dich ohne Pedalieren auf den Hausberg, von dem du beide Seen und die Eigergruppe überblickst, die du gestern noch aus der Nähe gesehen hast. Alternativ ist ein Ausflug mit dem Schiff über den Brienzersee eine ruhige Belohnung. Für die Heimreise gilt: Die Schweizer Bahn nimmt Bikes in der Regel mit, informiere dich aber vorab über Reservierungspflichten im Sommer.
MTB Alpencross Bodensee: Mein Fazit
Diese Alpenüberquerung vom Bodensee durch die Schweiz ist für erfahrene Tourenbiker gemacht, die eine echte Durchquerung wollen und sich vor langen Anstiegen nicht scheuen. Was mich überzeugt, ist die klare Linie: Vom Rheintal bis ins Berner Oberland wechselst du jeden Tag die Talschaft, und die Landschaft wird Schritt für Schritt alpiner. Der Walensee am ersten Abend, das wilde Muotatal, das Urner Reusstal und am Ende die Eigerkulisse bei Grindelwald ergeben eine Woche, die sich nach Reise anfühlt und nicht nach Pflichtprogramm. Dazu kommen lange Abfahrten mit weit über tausend Höhenmetern am Stück, etwa ins Reusstal, ins Haslital oder vom letzten Hochpunkt hinunter Richtung Interlaken.
Wichtig ist, die drei Arten von Anspruch auseinanderzuhalten. Die größte Konditionsprüfung ist die dritte Etappe mit fast 3.000 Höhenmetern auf nur gut fünfundvierzig Kilometern, inklusive eines langen, sehr steilen Schlussanstiegs. Technisch am heikelsten sind dagegen die zweite und die vierte Etappe mit Passagen bis S3 und Rampen jenseits von zwanzig Prozent. Die größte Höhe erreichst du erst am letzten Tag mit rund 2.300 Metern, auf dem auch die meisten S2-Abschnitte liegen. Es gibt also keinen ruhigen Ausrolltag, sondern bis zum Schluss volle Aufmerksamkeit.
Der Haken: Die Tour verlangt viel Asphalt- und Forstwegkilometer, vor allem am Anfang, und mehrere extrem steile Stellen, an denen Schieben realistisch ist. Wer jeden Meter fahren will, wird hier gelegentlich frustriert sein. Mein Urteil fällt trotzdem positiv aus. Wenn du fit bist, S2 sicher beherrschst und Lust auf eine ehrliche, abwechslungsreiche Schweiz-Durchquerung hast, ist diese Route eine der lohnendsten Möglichkeiten, das Land mit dem Bike zu erfahren.







