Vom Arlberg an den Comer See: eine Alpenüberquerung über Seen und Pässe mit moderaten Singletrails
Dieser MTB-Alpencross beginnt am Arlberg und endet am Comer See. Dazwischen liegen Österreich, die Schweiz und Italien und fast jeden Tag ein Pass. Du kurbelst durchs Verwall, über das Viderjoch ins Unterengadin und durch die Uina-Schlucht hinauf zum Schlinigpass. Danach geht es über den Ofenpass in die Hochtäler rund um Livigno. Dort reiht sich ein Bergsee an den nächsten. Es folgen der Bernina, das Oberengadin und der Malojapass. Am letzten Tag lässt du das Hochgebirge hinter dir und rollst hinunter bis ans Wasser. Genau diese Abfolge ist das eigentliche Highlight. Jeden Abend schläfst du in einem anderen Tal, jeden Morgen wartet ein neuer Übergang. Das Gelände bleibt dabei überwiegend fahrbar: Schotter, Wirtschaftswege, schmale Pfade und ein paar richtig gute Trails. Wer einen klassischen Alpencross mit Ziel am See sucht, aber nicht noch einmal die bekannten Linien zum Gardasee fahren will, findet hier eine echte Alternative.
Unterschätzen solltest du die Route trotzdem nicht. Rund 320 Kilometer und gut 9000 Höhenmeter bergauf verteilen sich zwar ordentlich auf sechs Tage. Gleich am zweiten und dritten Tag warten aber Anstiege von deutlich über tausend Höhenmetern am Stück, teils mit sehr steilen Rampen, an denen Schieben keine Schande ist. Der höchste Punkt liegt über 2700 Metern, mehrere Tage führen auf deutlich über 2000 Meter. Technisch bewegst du dich lange im S0- und S1-Bereich. In der zweiten Hälfte kommen kürzere S2-Stellen dazu, die sauberes Bremsen und einen ruhigen Blick verlangen. Der letzte Tag ist mit Abstand der längste, geht aber überwiegend bergab. Ich würde die Tour Leuten empfehlen, die mehrere lange Bergtage hintereinander gut wegstecken und schon Wege oberhalb der Baumgrenze gefahren sind. Für Einsteiger ohne Mehrtageserfahrung ist sie eine Nummer zu groß. Für ambitionierte Tourenfahrer ist sie ein ausgesprochen stimmiges Projekt.
Alle Informationen zum Alpencross Comer See


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Etappen-Details
01
Sankt Anton am Arlberg → Ischgl
Sanfter Einstieg mit langer Auffahrt über die Baumgrenze, dann gemütlich ins Paznaun.
42,8 km
↑ 1.128 hm · ↓ 1.018 tm
ø 4,9 % · Fahrtechnik S0
02
Ischgl → Scuol
Königsetappe: steiler Dauerklettern zum Tourhochpunkt, danach lange Abfahrt ins Unterengadin.
48,7 km
↑ 2.076 hm · ↓ 2.330 tm
ø 8,9 % · Fahrtechnik S1
03
Scuol → Val Müstair
Kräftiger Morgenanstieg mit giftigen Rampen, anschließend lange Abfahrt Richtung Val Müstair.
39,1 km
↑ 1.801 hm · ↓ 1.549 tm
ø 7,7 % · Fahrtechnik S1
04
Val Müstair → Teola
Pfadreicher Tag mit spätem Hochpunkt und ersten kurzen S2-Passagen.
51,5 km
↑ 2.003 hm · ↓ 1.499 tm
ø 6,5 % · Fahrtechnik S1
05
Teola → Sankt Moritz
Technisch anspruchsvollster Tag: Pfade, loser Untergrund und S2-Abfahrten Richtung Oberengadin.
48,6 km
↑ 1.267 hm · ↓ 1.308 tm
ø 5,9 % · Fahrtechnik S2
06
Sankt Moritz → Colico
Langer Rolltag vom Engadin hinunter an den Comer See, mit kurzen kniffligen Stellen.
89,7 km
↑ 765 hm · ↓ 2.409 tm
ø 2,8 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Alpencross Comer See: Beste Reisezeit
Mein Zeitfenster für diese Tour liegt zwischen Anfang Juli und Mitte September. Gleich mehrere Etappen führen über 2300 Meter, der höchste Punkt liegt bei rund 2700 Metern. In dieser Höhe halten sich Schneefelder in manchen Jahren bis weit in den Frühsommer, und genau dort willst du nicht schieben oder umkehren müssen. Im Hochsommer stehen die Chancen auf gut fahrbare Wege oben am besten.
Ein früher Termin im Juni bringt grüne Täler und ruhigere Orte, aber auch das Risiko von Restschnee und nassen, aufgeweichten Passagen. Ein später Termin Ende September belohnt dich oft mit klarer Luft und goldenen Lärchen, dafür werden die Tage kürzer, die Morgen am Berg frostig, und manche Hütten schließen bereits. Am Ziel kann es im Hochsommer dagegen richtig heiß werden, also plane die letzte Etappe mit frühem Start.
Mein praktischer Tipp: Lege die Königsetappe nicht auf einen fixen Tag, sondern halte dir einen Puffertag frei. Hochalpine Gewitter bauen sich im Sommer gern am Nachmittag auf, und auf über 2700 Metern ist Starten im Morgengrauen die klügere Strategie. Prüfe vor Abreise kurz die aktuellen Bedingungen an den höchsten Übergängen.
Tipps für deine Ankunft
In Colico endet der Alpencross dort, wo die Adda in den Comer See mündet. Bevor du irgendetwas anderes machst, roll zum Lido di Colico. Das ist eine große, flache Liegewiese direkt am Wasser, frei zugänglich und vom Seeufer im Ort schnell erreicht. Der Einstieg ins Wasser ist unkompliziert, eine Bar gibt es auch. Bike ins Gras, Schuhe aus, rein in den See. Besser lässt sich der Staub aus Engadin und Bergell kaum abspülen. Rechne am Nachmittag mit Wind. Am Nordende des Sees setzt dann oft die Breva ein, ein thermischer Wind, der Kiter und Windsurfer anlockt. Zum Abendessen bummelst du ins Zentrum von Colico Piano rund um die Piazza Garibaldi und den Hafen. Dort findest du Bars und Restaurants, ohne dich noch einmal aufs Rad setzen zu müssen.
Wenn du einen Tag dranhängst, lohnen sich zwei kurze Ausflüge, die du locker mit dem Bike machen kannst. Der erste führt auf die Halbinsel von Olgiasca zur Abtei von Piona. Die romanische Klosteranlage mit ihrem Kreuzgang liegt direkt über dem See. Der Weg dorthin geht kurz rauf und wieder runter, nach diesen Tagen eine Ehrenrunde für die Beine. Unten in der Bucht liegt die Spiaggia di Piona mit Kiosk und Bar. Der zweite Ausflug führt zu den Festungen auf den Hügeln rund um Colico. Das Forte di Fuentes stammt aus spanischer Zeit und kontrollierte früher den Zugang zu den Alpentälern im Norden, also genau zu den Tälern, aus denen du gerade kommst. Das Forte Montecchio Nord kannst du mit einem Kombiticket gleich mit besichtigen. Dazwischen liegt das flache Naturschutzgebiet Pian di Spagna, ideal zum Ausrollen.
Alpencross Comer See – Mein Fazit
Diese Tour ist für Mountainbiker gemacht, die konditionell gut im Saft stehen, mehrere lange Bergtage am Stück gewohnt sind und eher die große Linie über die Alpen suchen als den nächsten Trailpark. Wer solide S1 fährt und sich auf kurzen S2-Stücken nicht verkrampft, ist hier richtig.
Für mich ist das einer der ehrlichsten Wege an den Comer See. Die Tour verkauft dir keine Trail-Show, sondern eine Durchquerung. Ihre Stärke liegt im Rhythmus: rauf auf einen Übergang, runter ins nächste Tal, am nächsten Morgen wieder von vorn. Am stärksten ist sie in der Mitte. Uina-Schlucht, die Seen oberhalb von Livigno und der Übergang am Bernina tragen die ganze Tour. Die Schwächen gehören genauso dazu. Die steilen Starts aus dem Tal tun weh, und auf den Talstücken fährst du mehr Asphalt, als dir lieb ist. Der letzte Tag führt lange über Straßen und durch Ortschaften. Er ist mehr Ankommen als Höhepunkt. Wer das vorher weiß, ärgert sich nicht darüber, sondern genießt den Wechsel vom Hochgebirge an den See.
Würde ich sie empfehlen? Ja, aber nicht als ersten Alpencross für jemanden, der noch nie mehrere Bergtage am Stück gefahren ist. Die Fahrtechnik ist nicht das Problem. Die meisten Abfahrten sind gut machbar, und die wenigen schwierigeren Stellen kannst du schieben, ohne dich zu schämen. Das Problem ist die Summe aus langen, steilen Anstiegen über mehrere Tage. Wenn du konditionell gut vorbereitet bist und weißt, wie sich der dritte Bergtag in Folge anfühlt, passt diese Tour. Wenn du vor allem Trails suchst, gibt es bessere Ziele. Wenn du aber einmal wirklich über die Alpen fahren willst, Pass für Pass, bis die Berge im Wasser enden, dann ist das deine Route. Den Comer See kennen viele. Mit dem Arlberg in den Beinen sieht er anders aus.







