Eine hochalpine MTB Dreiländerrunde mit hohen Pässen, langen Abfahrten und mit dem Schweizer Postauto zurück nach Ischgl
Bei dieser Silvretta MTB-Dreiländerrunde startest du in Ischgl, wechselst ins Unterengadin nach Scuol, ziehst weiter ins stille Val Müstair, schaust in Reschen am See kurz nach Südtirol hinein und kehrst am Ende ins Paznaun zurück. Mich überzeugt, wie schnell die Tour zur Sache kommt. Schon am ersten Morgen geht es aus dem Tal ohne Umwege weit hinauf in die Nähe des Fimberpasses, auf über zweitausendsechshundert Meter, bevor eine lange Abfahrt Richtung Engadin folgt und die Hängebrücke Punt Penduossa Sura einen Moment zum Durchatmen bietet. Am zweiten Tag führt die Route an der Fuorcla Funtana da S-charl vorbei und direkt über den Pass dal Fuorn, am dritten wartet der Reschensee als ruhiger Schlusspunkt. Dieser Rhythmus aus langen, ehrlichen Anstiegen und Abfahrten, die mehrere Höhenstufen durchmessen, trägt die ganze Woche. Dazu kommt der Wechsel zwischen dem Paznaun, dem weiten Engadin und dem abgeschiedenen Münstertal, der jedem Tag ein eigenes Gesicht gibt.
Die Zahlen hinter dem Vergnügen sind deutlich. Auf rund 190 Kilometern kommen gut 8000 Höhenmeter zusammen. Doch die Zahlen trügen, denn auf der letzten Etappen werden reichlich Höhenmeter mit dem Schweizer Postauto und der Bergbahn in Samnaun zurückgelegt. Vom Schwarzen See geht es später über den Alptrider Sattel und Ausser Viderjoch zum höchsten Punkt der Tour, ehe der Velill-Trail nach Ischgl hinunterführt. Fahrtechnisch liegt die Tour insgesamt im S2-Bereich, an drei der vier Tage tauchen aber auch kurze S3-Passagen auf, die du auch müde noch sauber fahren können solltest. Ich würde diese Runde Leuten empfehlen, die mehrtägige Alpentouren bereits kennen, gut im Sattel sitzen und ihr Bike auch mal ein Stück schieben, ohne die Laune zu verlieren.
Alle Informationen zur Silvretta MTB-Dreiländerrunde


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Etappen-Details
01
Ischgl → Scuol
Gleich zum Start lang bergauf, dann eine lange, teils ruppige Abfahrt ins Engadin.
38,8 km
↑ 1.563 hm · ↓ 1.717 tm
ø 6,9 % · Fahrtechnik S2
02
Scuol → Val Müstair
Drei Anstiege, ein steiler Aufschwung zum Hochpunkt, dann hinab ins Val Müstair.
44,9 km
↑ 1.755 hm · ↓ 1.602 tm
ø 6,9 % · Fahrtechnik S2
03
Val Müstair → Reschen am See
Kräftiger Morgenanstieg, steile lange Abfahrt, danach nochmals stetig hinauf zum Reschensee.
47,2 km
↑ 1.651 hm · ↓ 1.523 tm
ø 6,1 % · Fahrtechnik S2
04
Reschen am See → Ischgl
Mit dem Schweizer Postauto und den Bergbahn rauf nach Samnaun und eine lange technische Abfahrt nach Ischgl.
59,6 km
↑ 3.084 hm · ↓ 3.211 tm
ø 10,2 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit Silvretta MTB-Dreiländerrunde
Mein Tipp für diese Runde ist das Fenster von Mitte Juli bis Mitte September. Die Tour führt an mehreren Tagen deutlich über zweitausend Meter, der höchste Punkt liegt bei rund zweitausendsiebenhundertfünfzig Metern. In dieser Höhe hält sich Schnee in nordseitigen Mulden oft bis weit in den Frühsommer, und die Hochlagen sind im Juli und August am ehesten gut fahrbar.
Ein früher Termin Anfang Juli bringt lange Tage und satte Wiesen, kann aber noch Altschneefelder und nasse, rutschige Passagen bedeuten. Im Hochsommer sind Wärmegewitter am Nachmittag das größere Thema, gerade am langen Schlusstag. Ein später Termin im September belohnt oft mit klarer Luft und ruhigeren Wegen, dafür werden die Tage kürzer, die Morgen kalt, und ein früher Wintereinbruch in der Höhe ist nie ausgeschlossen.
Tipps für deine Ankunft
Ischgl liegt auf rund vierzehnhundert Metern im Paznaun, eingerahmt von steilen Flanken, unten im Tal rauscht die Trisanna. Viele kennen den Ort nur als Wintertrubel, im Sommer wirkt er deutlich ruhiger und überschaubarer. Genau das passt zum Ende dieser Runde, denn du kommst hier nicht entspannt ausrollend an.
Der letzte Tag verlangt dir am meisten ab: viele Höhenmeter, Straßenabschnitte mit Verkehr, ein Anstieg, bei dem du wahrscheinlich schiebst, und zum Schluss eine lange, steile Abfahrt hinunter ins Tal. Danach sind Unterarme, Hände und Kopf gleichermaßen müde. Der Kontrast könnte kaum größer sein: eben noch volle Konzentration auf steilem Gelände, jetzt ein flacher Talboden und keine Linie mehr, die du lesen musst.
Silvretta MTB-Dreiländerrunde – Mein Fazit
Die Silvretta MTB-Dreiländerrunde ist für erfahrene Mountainbiker gemacht, die sich auf mehrtägigen Alpentouren bereits zu Hause fühlen. Wer S2 sicher fährt, kurze S3-Stellen ruhig meistert und mehrere Tage mit deutlich über tausendfünfhundert Höhenmetern hintereinander verkraftet, ist hier richtig. Für die erste Mehrtagestour mit dem Mountainbike würde ich sie nicht wählen.
Mich überzeugt vor allem der Aufbau als echte Runde: Start und Ziel in Ischgl, keine Rückreiselogistik, und trotzdem drei Länder mit sehr unterschiedlichen Tälern. Dazu kommt, dass jeder Tag mindestens einen großen Anstieg in die Höhe und eine lange Abfahrt zurück ins Tal hat. Am ersten Tag etwa fährst du direkt aus Ischgl rund zwölfhundert Höhenmeter am Stück hinauf, danach geht es über gut tausend Höhenmeter hinunter. Dieses klare Muster macht die Tage gut lesbar und planbar.
Der Haken ist der Schlusstag. Er erfordert etwas Planungsaufwand und gutes Timing, um das Postauto rechtzeitig zu erwischen und die letzte Bergbahn nicht zu verpassen. Wichtig ist die Unterscheidung: Die meisten Höhenmeter und der höchste Punkt liegen am letzten Tag, technisch anspruchsvolle Stellen gibt es aber schon an den ersten beiden Tagen.
Mein Urteil: eine starke, ehrliche Hochalpenrunde mit viel Abwechslung und einem Ende, das mit dem Velill-Trail ein würdiges Finale findet. Wer den letzten Tag realistisch einplant, früh startet und genug Reserven mitbringt, bekommt eine sehr runde MTB-Tour.

