Hochalpine MTB-Rundtour durch Graubünden ab dem Val Müstair über Engadin, Veltlin und Stilfser Joch, die ständig Landschaft, Trails, Land & Leute wechselt
Diese MTB-Rundtour Graubünden beginnt und endet im Val Müstair. Dazwischen liegt eine Woche, die das Grenzland zwischen Graubünden und der Lombardei von seinen hohen Übergängen bis hinunter ins Veltlin auslotet. Mich überzeugt vor allem der Kontrast. Schon am ersten Tag reihen sich Pass dal Fuorn, Fuorcla del Gal und Passo Trela aneinander, dazwischen rollst du an Lago di Livigno und Lago di San Giacomo entlang. Über den Passo di Cassana wechselst du ins Engadin, wo St. Moritzersee und Lej da Staz einen ruhigen Ausklang vor Pontresina setzen. Danach geht es an der Cascada da Bernina und am Lago Bianco vorbei über den Berninapass, bis sich der Blick ins Val Poschiavo öffnet und du nach Tirano abtauchst, wo plötzlich der Süden spürbar wird.
Die Rhätische Bahn bringt dich zurück Richtung Bernina, bevor der Pass da Val Viola den Weg nach Premadio weist. Über Torri di Fraele, Pedenolo und Forcola arbeitest du dich zum Stilfser Joch hinauf. Am letzten Tag führt die Route an Dreisprachenspitze und Piz Umbrail vorbei knapp über die Dreitausendermarke, bevor eine lange Abfahrt am Lago di Rims vorbei zurück ins Val Müstair zieht.
Leicht ist das nicht. Auf rund 250 Kilometern sammelst du mehr als 9000 Höhenmeter bergauf, und weil die Abfahrten in Summe noch mehr Höhe vernichten, brauchst du Bremsen, Hände und Konzentration bis zur letzten Kurve. Die Gesamtnote S2 klingt moderat, doch auf der Etappe nach Tirano stecken kurze Abschnitte, die deutlich darüber liegen und für viele ein klarer Fall zum Absteigen sind. Konditionell sind der Auftakt nach Livigno und der Weg hinauf zum Stilfser Joch die dicksten Brocken. Der letzte Tag ist kurz, verlangt aber eine extrem steile Rampe in großer Höhe, auf der Schieben oder Tragen realistisch ist.
Die Tour passt zu dir, wenn du mehrtägige Alpentouren kennst, S2 sicher fährst und nicht beleidigt bist, wenn das Rad auch mal auf die Schulter muss. Wer gerade erst vom Forstweg auf Singletrails wechselt, sollte sich lieber noch eine Saison Zeit lassen.
Alle Informationen zur MTB Rundtour Graubünden


GPX-TRACKS
Alle Etappen als GPX-Dateien, mit allen Wegpunkten, Übernachtungsempfehlungen u.v.m. Fürs Navi, für Komoot,
für dein Handy.
- Vollständige GPX-Tracks aller Etappen
- Sofort-Download nach dem Kauf
- Einmalzahlung. Kein Abo.
INKLUSIVE
Deine Tour liegt fertig im AI Outdoor Trip Planner.
Ein Klick nach dem Kauf: Etappen und Tracks sind schon angelegt. Plane Unterkünfte, An- und Abreise und Versorgung dazu. Kostenlos.
Mit dem e-MTB unterwegs?
eMTB-Variante Bedingt eMTB-geeignet
Die Tour ist nur bedingt mit dem eMTB fahrbar. Abschnittsweise gibt es Schiebe- oder Tragepassagen, die mit dem eMTB nicht optimal sind. Oder entlang der Route befinden sich abschnittsweise wenige bis keine Lademöglichkeiten.
Gleiche Strecke und gleiche Etappen wie der reguläre GPX-Track dieser Tour, zusätzlich mit Lademöglichkeiten entlang der Route.
Etappen-Details
01
Val Müstair → Livigno
Kräftiger Auftakt mit langem Startanstieg und flüssigen Abfahrten bis Livigno.
50,7 km
↑ 2.014 hm · ↓ 1.587 tm
ø 6,5 % · Fahrtechnik S1
02
Livigno → Pontresina
Steiler Morgenanstieg, danach lange Abfahrt und entspanntes Rollen ins Engadin.
51,0 km
↑ 1.343 hm · ↓ 1.252 tm
ø 4,5 % · Fahrtechnik S1
03
Pontresina → Tirano
Technischer Kerntag mit sehr schweren Passagen und steilem Abstieg nach Tirano.
49,5 km
↑ 1.750 hm · ↓ 3.217 tm
ø 7,4 % · Fahrtechnik S2
04
Tirano → Premadio
Mit der Rhätischen Bahn vom Veltlin zurück in die Höhe, belohnt mit langen Abfahrten.
45,3 km
↑ 1.387 hm · ↓ 2.375 tm
ø 7,5 % · Fahrtechnik S2
05
Premadio → Stelvio
Reiner Klettertag: viel Höhe auf wenig Strecke hinauf Richtung Stelvio.
32,2 km
↑ 2.084 hm · ↓ 574 tm
ø 8,4 % · Fahrtechnik S1
06
Stelvio → Val Müstair
Kurz, brutal steil über dreitausend Meter, dann lange Heimabfahrt.
18,2 km
↑ 617 hm · ↓ 2.024 tm
ø 16,5 % · Fahrtechnik S2
Bilder




Beste Reisezeit
Das optimale Zeitfenster für MTB Rundtour Graubünden liegt zwischen Mitte Juli und Mitte September. Der Grund ist der Schlusstag: Mit einem Hochpunkt jenseits der dreitausend Meter brauchst du eine Phase, in der Restschnee in Nordhängen und Rinnen in normalen Jahren weitgehend verschwunden ist. Auch die Übergänge zwischen Livigno und Pontresina liegen hoch genug, dass ein später Winter dort lange nachwirkt.
Ein früher Termin im Juni oder Anfang Juli kann reizvoll sein, weil Tirano dann noch nicht in der Hitze brütet. Oben musst du dafür mit Schneefeldern, nassen Wegen und kalten Morgen rechnen. Ein später Termin Ende September bringt oft klare Luft und goldene Lärchen, aber kürzere Tage, frostige Starts und das Risiko eines frühen Wintereinbruchs genau dort, wo du am höchsten unterwegs bist.
Mein Tipp: Für Etappe 4 ist die Nutzung der Rhätischen Bahn Teil des Tourdesigns. Wichtig: Bikes werden auf der gleichen Strecke auf Regionalzügen transportiert, nicht auf dem Bernina Express. Die RhB weist ausdrücklich darauf hin, dass Selbstverlad auf dem Bernina Express nicht erlaubt ist, auf Regionalzügen aber schon. Zusätzlich empfiehlt die RhB auf der Bernina-Linie wegen hoher Nachfrage eine Sitzplatzreservation auch im Regionalzug; sie ist optional, kann aber Wartezeiten entschärfen. Für diese Tour ist der frühe Zug am Morgen sinnvoll, weil der fahrerische Tag danach noch vollwertig bleibt.
Tipps für deine Ankunft
Nach so einer Runde brauchst du keinen künstlichen Finisher-Zirkus. Das Val Müstair funktioniert gerade deshalb so gut, weil es nicht laut feiert, sondern langsam runterdimmt. Sta. Maria ist dafür ein starker Ankunftsort: zentral im Tal gelegen, mit Gastronomie und Kultur statt bloß Durchfahrtskulisse. Offiziell wird der Ort genau dafür beschrieben – als Dorf mit Hotels, gastronomischem Angebot und kulturellen Highlights. Ein kurzer Gang durch die Gassen lohnt sich, weil diese Dörfer abseits der Hauptstraße ihren eigentlichen Charme erst im zweiten Blick zeigen.
Für Essen und Ausklang kann man mit gutem Gewissen die Chasa Chalavaina nennen. Es ist als historisches Hotel ausgezeichnet und bekannt für gute Küche und guten Kaffee am Plaz Grond in den Sommermonaten. Genau so würde ich den Tipp auch setzen: nicht als hippen Geheimspot, sondern als verlässlichen Ort, um nach der Tour sauber zu landen. Das beste Finisher-Foto bekommst du dort, wo die Tour emotional rund wird: am oder beim Kloster St. Johann, mit dem weiten Talraum dahinter.
MTB Rundtour Graubünden – Mein Fazit
Die MTB Rundtour Graubünden ist für erfahrene Tourenfahrerinnen und Tourenfahrer gemacht, die mehrere Alpentage am Stück kennen, S2 souverän fahren und bei schwereren Passagen ehrlich entscheiden, wann Schieben die klügere Wahl ist. Wer seine erste Mehrtagestour plant, findet in dieser Ecke der Alpen einfachere Einstiege.
Mich überzeugt der Aufbau. Kondition, Technik und Höhe ballen sich nicht an einem Tag, sondern verteilen sich. Die großen Klettertage liegen zum Auftakt und vor dem Finale, wobei der Tag Richtung Stelvio mit rund 2100 Höhenmetern auf nur gut 30 Kilometern besonders zäh ist. Die technisch heikelste Etappe ist die nach Tirano mit kurzen Passagen im Bereich S4. Den höchsten Punkt hebt sich die Tour für den Schluss auf. So bleibt jeder Tag eigenständig.
Der Haken ist der letzte Tag. Er wirkt mit knapp 20 Kilometern harmlos, verlangt aber eine sehr steile Rampe mit Spitzen jenseits der 40 % in großer Höhe und danach eine lange S2-lastige Abfahrt mit rund 1650 Tiefenmetern am Stück. Wer da schon müde Hände hat, merkt es. Auch die Gesamtbilanz mit deutlich mehr Abfahrts- als Anstiegsmetern fordert Bremsen und Unterarme über die ganze Woche.
Mein Urteil: eine starke, abwechslungsreiche Runde mit echtem Grenzlandcharakter, die vom Wechsel zwischen Hochgebirge und Süden lebt. Sie ist kein Selbstläufer und bestraft schlechte Vorbereitung. Wenn du fit bist, technisch sauber fährst und Wetterfenster respektierst, bekommst du dafür eine Woche, die sich nach mehr anfühlt als ihre Kilometer.

