Mein persönliches Fazit
Wenn mich jemand fragt, ob ich diese Tour empfehle, sage ich: Ja — aber mit einem ehrlichen Vorgespräch. Diese Transalp ist kein Selbstläufer. Sie ist eine echte Alpenüberquerung mit langen Tagen auf Schotter, Schiebepassagen, auf denen du dein Bike fluchend den Berg hochträgst, und Momenten, in denen du oben am Grat stehst und einfach nur dankbar bist.
Ich habe diese Route geplant, weil ich eine Linie wollte, die ehrlich durch die Alpen führt — keine Liftvariante, kein Best-of-Trails-Parcours, sondern eine Durchquerung, bei der du dir jeden Meter verdienst. Der Fimberpass-Trail ist einer dieser Momente, für die du den ganzen Tag bergauf trittst. Wenn du oben stehst und die ersten Meter des Trails unter dir siehst, verstehst du, warum sich die Stunden auf Schotter gelohnt haben. Das gleiche gilt für die Forcellina di Montozzo — brutal im Anstieg, belohnend in der Abfahrt, mit einer Schlüsselstelle, über die du abends beim Bier noch redest.
Ist die Tour perfekt? Nein. Der Schotteranteil ist hoch, manche Tage sind mehr Ausdauerprüfung als Fahrspaß. Aber das ist der Charakter einer hochalpinen Durchquerung. Wenn du damit klarkommst, dass nicht jede Abfahrt ein Trail ist, dafür aber jeder Trail richtig gut ist, dann passt diese Tour zu dir. Wenn du durchgehenden Singletrail suchst, brauchst du eine geführte Tour mit Liftunterstützung.
Was ich an dieser Route liebe: Du fährst durch vier Länder und merkst es kaum. Du stehst an Übergängen, an denen sonst niemand steht. Und du kommst in Riva an mit dem Gefühl, etwas Großes geschafft zu haben.
Die Tour im direkten Vergleich
Der Trailanteil dieser Route liegt bei rund elf Prozent — also etwa 42 Kilometer Singletrail auf 373 Kilometer Gesamtstrecke. Das klingt erst mal nach wenig, ist aber für eine selbstgeführte hochalpine Alpenüberquerung ohne Liftunterstützung absolut im Durchschnitt. Klassische Transalp-Routen wie die Albrecht-Route, die Heckmair-Route oder die Joe-Route bewegen sich in einem vergleichbaren Bereich. Wer deutlich höhere Trailanteile sucht, landet zwangsläufig bei geführten Touren mit systematischer Lift- und Shuttle-Nutzung — ein komplett anderes Tourformat.
Was diese Tour von vergleichbaren Alpenüberquerungen abhebt, ist die Qualität der einzelnen Trail-Highlights. Der Fimberpass-Trail mit über sechs Kilometern zusammenhängendem Singletrail ab 2.596 Metern gehört zu den eindrücklichsten Trailabfahrten, die du auf einer Alpenüberquerung fahren kannst. Die Gavia-Abfahrt vom höchsten Punkt der Tour und die Forcellina di Montozzo mit ihrer technisch extremen Schlüsselstelle sind Momente, die auf keiner Standardroute vorkommen. Und der Sentiero di Bussè kurz vor Riva setzt einen letzten Trailakzent, der den Abschluss würdig macht.
Die Schwächen liegen dort, wo die Stärken aufhören: Zwischen den Trail-Highlights dominieren Schotter und Asphalt. Manche Etappen — besonders Etappe 1 und Etappe 4 — sind fahrtechnisch wenig fordernd und leben vor allem von Landschaft und Ausdauer. Wer jeden Tag nach dem Aufstieg sofort mit einem Trail belohnt werden will, wird an einigen Tagen enttäuscht. Die Route ist keine Trail-Tour mit alpiner Kulisse, sondern eine alpine Tour mit Trail-Rosinen.
Timing & Logistik
Die beste Reisezeit liegt zwischen Anfang Juli und Mitte September. Vor Juli können Schneereste an den höchsten Übergängen — Fimberpass, Passo di Gavia, Forcellina di Montozzo — die Route unpassierbar machen. Nach Mitte September steigt das Risiko für Wintereinbrüche. Der stabilste Zeitraum ist die zweite Julihälfte bis Ende August, wobei schnelle Wetterwechsel auf diesen Höhen jederzeit möglich sind.
Für die Rückreise von Riva del Garda nach Oberstdorf gibt es mehrere Optionen. Die bequemste sind spezialisierte Bikeshuttle-Dienste, die in der Saison regelmäßig vom Gardasee nach Oberstdorf, Garmisch und München fahren. Anbieter wie Bikeshuttle.it oder Prenner bieten Transfers mit Bike-Anhänger an, die Fahrzeit liegt bei fünf bis sechs Stunden. Frühzeitig buchen, besonders an Wochenenden.
Die Rückreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist möglich, aber aufwendiger. Von Riva fährt ein Linienbus nach Rovereto, dem nächstgelegenen Bahnhof. Von dort verkehren Züge über den Brenner Richtung München. Die ÖBB bietet Online-Buchung von Fahrradtickets — allerdings sind die Stellplätze pro Zug stark begrenzt. Plane einen guten halben Tag ein.
Tipps für deine Ankunft in Riva del Garda
Riva del Garda ist der perfekte Ort, um eine Alpenüberquerung zu beenden. Die historische Altstadt rund um die Piazza III Novembre mit ihren venezianischen Stadtpalästen, dem Hafen und den verwinkelten Gassen ist kompakt genug für einen kurzen Spaziergang nach der Tour — und atmosphärisch genug, um den Moment zu genießen.
Das beste Eis der Stadt bekommst du in der Gelateria Flora an der Viale Rovereto. Seit über zwanzig Jahren eine Institution am Gardasee, konstant hervorragende Qualität, riesige Auswahl. Liegt etwas außerhalb Richtung Rovereto, aber der Umweg lohnt sich. In der Altstadt ist die Gelateria Etabeta eine unauffällige, aber empfehlenswerte Alternative. Für den Aperitif bietet sich die Piazza III Novembre an, wo du mit einem Aperol Spritz auf den Hafen blickst.
Verpasse nicht den Blick vom Bastione. Die venezianische Festung thront rund 200 Meter über der Stadt und bietet ein Panorama vom Gardasee über die Altstadt bis zu den Bergen. Du erreichst den Bastione über einen Serpentinenweg in etwa zwanzig Minuten oder — nach sieben Tagen in den Beinen — mit dem Panoramalift in zwei Minuten. Oben gibt es ein Restaurant mit Terrasse — perfekt für das Finisher-Foto mit Seeblick.
Material-Check: Perfekt gerüstet für den Trail
Bei der Bekleidung gilt das Schichtenprinzip. Eine winddichte, wasserabweisende Jacke gehört in jeden Rucksack — auf Übergängen über 2.500 Metern kann es auch im Hochsommer empfindlich kalt werden. Dazu eine leichte Isolationsschicht für Pausen in der Höhe. Handschuhe und eine dünne Mütze für die Passübergänge sind Pflicht. Knie- und Ellbogenprotektoren empfehlen sich für die technischen Abfahrten am Fimberpass-Trail und an der Forcellina di Montozzo.
Das Reparatur-Set sollte alles abdecken, was dich unterwegs weiterbringt: Multitool, Ersatzschlauch oder Tubeless-Reparaturset, Reifenheber, Minipumpe und Kabelbinder. In abgelegenen Abschnitten gibt es über Stunden keine Hilfe.
Für die Orientierung ist ein GPS-Gerät oder Smartphone mit Offline-Karten unverzichtbar. Eine Powerbank gehört zwingend in den Rucksack — sieben Tage Navigation bei Kälte saugen jeden Akku leer. Lade die GPX-Tracks vorab auf dein Gerät.
Ein kompaktes Erste-Hilfe-Set mit Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel und Rettungsdecke gehört in den Rucksack. Im hochalpinen Gelände kann die Bergrettung bei schlechtem Wetter Stunden brauchen.
Das Mountainbike sollte ein Fully mit 140 bis 160 Millimetern Federweg sein. Tubeless-Reifen mit ausreichend Profil und pannensicherer Karkasse sind Pflicht.
Bei E-MTBs die Akkukapazität realistisch einschätzen. Ein Ladegerät für die Mittagspause einzuplanen ist sinnvoll. Prüfe vorab, ob Einkehrmöglichkeiten Lademöglichkeiten bieten.
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